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Alkohol: Ein Naturstoff gegen Kater

 

Forscher haben einen Naturstoff isoliert, der zumindest Ratten immun gegen große Mengen Alkohol werden lässt. Das Flavonoid Dihydromyricetin (DHM) stammt aus dem Japanischen Rosinenbaum (Hovenia dulcis), einer Rhamnaceae. Teile dieser Pflanze werden in Ostasien traditionell gegen die Folgen übermäßigen Alkoholgebrauchs angewendet. Die Wissenschaftler um Jing Liang von der Universität Kalifornien injizierten Ratten eine solche Menge Ethanol in den Bauchraum, die beim Menschen dem Konsum von 15 bis 20 Gläsern Bier innerhalb von zwei Stunden entspricht. Ein Teil der Versuchtiere bekam zusätzlich 1 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht DHM gespritzt. Diesen Ratten machten daraufhin die hohen Ethanolspiegel kaum etwas aus. Sie kamen bei einem Test innerhalb von fünf Minuten, wieder auf die Beine, was den Tieren ohne DHM-Injektion erst nach 70 Minuten gelang.

 

Bei alkoholabhängigen Ratten führte die DHM-Gabe zu weniger Entzugssymptomen und reduzierte den selbstständigen Konsum auf ein Viertel dessen, was abhängige Tiere normalerweise konsumieren. Auf zellulärer Ebene zeigten die Forscher zudem, dass DHM neurotoxischen Effekte von Ethanol abmildert, vermutlich über die Blockade von GABA-A-Rezeptoren. Sie hoffen nun, dass DHM zu einem Arzneimittel entwickelt werden kann, dass Abhängige vor neurotoxischen Effekten schützt, wenn sie der Versuchung nicht widerstehen können. Laut Wissenschaftsmagazin «New Scientist» soll bald ein DHM-Extrakt an Menschen getestet werden. Forschungsleiterin Liang hofft, das Bedürfnis nach Alkohol werde dank DHM abnehmen. Kritiker dagegen fürchten, die konsumierte Alkoholmenge könnte steigen. Zudem berichtet der Fachartikel im «Journal of Neuroscience» nicht über die Folgen des Alkoholkonsums für die Leber. (db)

 

doi: 10.1523/JNEUROSCI.4639-11.2012

 

13.01.2012 l PZ

Foto: Fotolia/Andreas F.