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Hautkrebs: Zulassungsempfehlung für Vemurafenib

Mit Vemurafenib könnte bald ein weiterer Kinase-Hemmer die Palette oraler Zytostatika erweitern. Der Ausschuss für Humanarzneimittel der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) hat sich für die Zulassung ausgesprochen. Die EU-Kommission muss noch grünes Licht geben. Vemurafenib (Zelboraf® von Roche und Plexxikon) ist ein niedermolekularer Arzneistoff. Er soll bei Patienten mit metastasierendem oder inoperablem Melanom mit einer Mutation im Gen BRAF V600 eingesetzt werden.

 

In klinischen Studien schnitt Vemurafenib besser ab als das Erstlinien-Medikament Dacarbazin. Die Überlebenszeit stieg von 9,9 auf 13,2 Monate. Wie andere Kinase-Inhibitoren kann auch Vemurafenib selbst Hautkrebs auslösen, allerdings keine Melanome, sondern Plattenepithelkarzinome (Stachelzellkrebs oder Spinaliom). Diese Zweittumoren traten jedoch selten auf. Der Patient muss unter Vemurafenib-Behandlung regelmäßig darauf untersucht werden.

 

Vemurafenib ist bereits seit August in den USA zugelassen; in Verbindung mit einem speziellen Test auf die Mutation BRAF V600. Das Protein und Onkogen BRAF ist ein wichtiger Bestandteil eines zellulären Signalwegs, der am Wachstum der Zelle beteiligt ist. Der RAS-RAF-Signalweg leitet Signale von außerhalb der Zelle in den Zellkern weiter. Ist im BRAF-Protein, einer Serin/Threonin-Kinase, an Stelle 600 Valin durch andere Aminosäuren wie Glutaminsäure ersetzt, kommt es zu einer Überaktivierung des Signalwegs und damit verstärktem Zellwachstum. Laut Hersteller Roche finden sich in rund der Hälfte aller Melanome mutierte Formen von BRAF. Auch bei soliden Tumoren wie Schilddrüsen- und Eierstockkrebs spielt das Protein eine Rolle.

 

Nach Angaben der EMA erkranken in Europa jährlich fast 60 000 Menschen an einem Melanom. Rund 16 000 Menschen pro Jahr sterben an dieser Art von Hautkrebs. Bei früher Diagnose haben die Patienten jedoch eine Überlebenschance von mehr als 90 Prozent – wenn der Krebs operabel ist und nicht metastasiert. Sonst gilt das Melanom als bösartigste Form von Hautkrebs. Von diesen Patienten lebt nur noch jeder Vierte ein Jahr nach der Diagnose. (db)

 

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20.12.2011 l PZ

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