ADHS: Wann ist Methylphenidat austauschbar? |

Einige Methylphenidat-Präparate sind nicht gegeneinander austauschbar. In solchen Fällen sollte der Apotheker pharmazeutische Bedenken anmelden, riet Apothekerin Margit Schlenk beim Wochenend-Workshop Pharmazeutische Betreuung in Münster. Unretardiertes und damit schnell wirkendes Methylphenidat darf in der Regel ausgetauscht werden. Bei retardiertem Wirkstoff sei jedoch Vorsicht angebracht. Während sich Medikinet® retard und Ritalin® LA in der Bioverfügbarkeit gleichen, weisen Equasym® retard und Concerta® Unterschiede auf. Concerta-Tabletten dürfen übrigens nicht zerteilt werden und müssen unzerkaut geschluckt werden. Das kann ein wichtiges Argument gegen eine Substitution sein, zum Beispiel bei Schluckbeschwerden. Die Equasym-Hartkapsel kann beispielsweise geöffnet und die Mikropellets ins Essen gemischt werden. Sie dürfen allerdings nicht zerkaut werden.
Selbst wenn die Präparate unter pharmazeutisch-technologischen Gesichtspunkten prinzipiell austauschbar sind, riet die Referentin zu Zurückhaltung: «ADHS-Kinder brauchen Konstanz», so Schlenk. Dies gelte auch für ihre Arzneimittel. Die Toleranz gegenüber Abweichungen bei Form, Farbe, Größe, Hilfsstoffen, Geschmack und Anwendungsart könne sehr niedrig sein und damit die Compliance gefährden. ADHS-Patienten sind zudem in der Regel nicht psychisch stabil – ein plausibles Argument gegen einen Austausch der Medikation. (db)
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15.11.2011 l PZ
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