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Spirale schützt vor Gebärmutterhalskrebs

 

Die Verwendung von Intrauterinpessaren (IUP) zur Schwangerschaftsverhütung senkt das Risiko für Gebärmutterhalskrebs. Das hat eine jetzt in der Fachzeitschrift «Lancet Oncology» veröffentlichte Studie ergeben. Demnach reduzieren Frauen, die mit IUP verhüten oder jemals verhütet haben, dadurch ihr Risiko für Gebärmutterhalskrebs um etwa die Hälfte.

 

Für die vorliegende Studie wertete ein internationales Forscherteam um Xavier Castellsagué vom Institut Català d’Oncologia in Barcelona zehn Fallkontrollstudien zu Gebärmutterhalskrebs und 16 HPV-Prävalenz-Untersuchungen aus mehreren Ländern aus. Insgesamt flossen die Daten von fast 20 000 Frauen in die Analyse ein.

 

Entgegen früherer Annahmen erhöhte die Verwendung von Intrauterinpessaren nicht die Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit Humanen Papillomaviren (HPV). Frauen mit IUP waren nicht häufiger mit HPV infiziert als Frauen, die gar nicht oder mit anderen Methoden verhüteten. IUP-Anwenderinnen erkrankten aber nur etwa halb so häufig an Karzinomen des Gebärmutterhalses (Odds Ratio 0,55). Wie lange die Frauen mit IUP verhütet hatten, war dabei unerheblich: Das Risiko für Gebärmutterhalskrebs halbierte sich während des ersten Jahres und blieb auch bei längerer Anwendung auf diesem niedrigen Niveau. Bei HPV-positiven Frauen war der Schutzeffekt nicht so stark ausgeprägt (Odds Ratio 0,68). Zwischen Hormon-freisetzenden und rein mechanischen IUP wurde in der Studie nicht unterschieden.

 

Intrauterinpessare könnten also die Wahrscheinlichkeit reduzieren, dass HPV-infizierte Zellen des Gebärmutterhalses zu Krebszellen entarten, vermuten die Autoren. Eine mögliche Erklärung hierfür ist aus ihrer Sicht, dass IUP eine unterschwellige, chronische Entzündung auslösen, die eine Umgestaltung des mukosalen Immunstatus bewirkt und damit den Verlauf von HPV-Infektionen verändert.

 

Einen ähnlichen Erklärungsansatz liefert Professor Dr. Karl Ulrich Petry, Frauenarzt am Klinikum Wolfsburg, in einem Kommentar zur Studie. Er glaubt, dass die Gewebetraumata, die beim regelmäßigen Wechsel der IUP entstehen, eine zelluläre Immunantwort auslösen, die persistierende HPV-Infektionen und präinvasive Läsionen beseitigt. Kleine Kohortenstudien hätten gezeigt, dass allein schon die Entnahme von Biopsien die Rate spontaner Rückbildungen von präinvasiven Zervixkarzinomen erhöht. Das würde bedeuten, dass die Wahrscheinlichkeit, mit der sich aus einer HPV-Infektion des Gebärmutterhalses Krebs entwickelt, bislang unterschätzt wurde, da Studien zu ihrer Quantifizierung auf Biopsie-gesicherten Diagnosen basierten.

 

In Deutschland verhüten laut Zahlen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung etwa 10 Prozent der Frauen mit der Spirale. Deutlich beliebter sind die Pille und Kondome. 10 Prozent der Paare wählen die Sterilisation als Verhütungsmethode. Andere Verhütungsmittel wie das Hormonstäbchen, der Vaginalring oder die Dreimonatsspritze werden nur von 1 bis 2 Prozent der Frauen genutzt. (am)

 

doi: 10.1016/S1470-2045(11)70223-6 (Studie)

doi: 10.1016/S1470-2045(11)70255-8 (Kommentar)

 

14.09.2011 l PZ

Foto: Fotolia/Sven Bähren