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EHEC-Erreger stammt wohl vom Menschen

 

Hauptträger des grassierenden EHEC-Stammes O104:H4 könnten Menschen und nicht wie bei EHEC sonst üblich Tiere sein. Darauf deutet mittlerweile einiges hin. «Der sich jetzt ausbreitende Erreger ist bislang nur beim Menschen nachgewiesen worden», sagte Professor Dr. Helge Karch vom Universitätsklinikum Münster am Freitag.

 

Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist es eher unwahrscheinlich, dass tierische Exkremente für eine Verunreinigung von Lebensmitteln mit dem Keim verantwortlich sind. Die Faktenlage spreche dafür, dass der Mensch als Quelle für eine Kontamination von Lebensmitteln in Frage kommen könnte. Zu Beginn der Epidemie standen zunächst Tiere im Verdacht, die Bakterien zu beherbergen, die dann etwa über Gülle verbreitet werden könnten.

 

Nach Bekanntwerden des Genoms von EHEC O104:H4, auch als HUSEC041 bezeichnet, vergangene Woche hatten die Forscher weitere Fakten zusammen getragen. Es stecken wesentlich mehr Anteile von enteroaggregativen E. coli (EAggEC/EAEC) in ihm als von enterohämorrhagischen E.coli (EHEC). Er ist jedoch wie typische EHEC in der Lage, Shigatoxine zu bilden. Mit EAggEC sind Bakterien gemeint, die als Erreger von wässrigen Durchfällen bekannt sind, und besonders gut am Darmepithel andocken. Laut Karch stapeln sich die Bakterien neben- und übereinander, ähnlich einer Mauer. Dieser Biofilm hafte gut im Darm, aber auch außerhalb des menschlichen Körpers auf Flächen.

 

EAggEC kommen nach heutigem Wissen eher beim Menschen als bei Tieren vor, bestätigte Professor Dr. Lothar Wieler vom Institut für Mikrobiologie und Tierseuchen an der Freien Universität Berlin. Auch dies ist ein Hinweis darauf, dass der Mensch Hauptträger des aktuell grassierenden Stamms sein könnte. Ebenso ist sein Resistenzmuster gegen Antibiotika ein Indiz für einen menschlichen Ursprung.

 

Große Teile des Genoms von HUSEC041 zeigen am ehesten Übereinstimmungen mit einem Keim eines afrikanischen Durchfallpatienten. «Aber nur weil ein Stamm aus Afrika diesem ähnlich ist, sagt das nichts über seine Herkunft aus. Das kann reiner Zufall sein, und ist bislang zu wenig untersucht», sagte Wieler. Bislang seien vergleichsweise wenige E.coli-Genome überhaupt vollständig gelesen, fügte Holger Rohde vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf hinzu. «Je mehr man sequenziert, desto mehr Überschneidungen und Hinweise für den Austausch genetischen Materials zwischen verschiedenen E.coli-Typen wird man vermutlich finden.»

 

10.06.2011 l dpa

Foto: Fotolia/Gunnar Assmy