Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Kopfschmerzen: Wann ist es ein Notfall?

 

Wenn Kopfschmerzen plötzlich und heftig auftreten, reicht manchmal eine Tablette – manchmal aber auch nicht. Bei stärksten, sogenannten Vernichtungskopfschmerzen, unbekannten, ungewöhnlich lang anhaltenden Kopfschmerzen oder bei zusätzlichen neurologischen Symptomen sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden, rät die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Zu den neurologischen Symptomen zählen Nackensteifigkeit, Bewusstseinsminderung, Halbseitenlähmung und Taubheitsgefühle. Bei fast jedem Zehnten, der diese Symptome aufweist, könnte eine potenziell lebensbedrohliche Ursache wie ein Herzinfarkt oder ein Tumor vorliegen, warnt die Fachgesellschaft. «Um lebensbedrohliche Formen von Kopfschmerzen zu erkennen, steht die sorgfältige Erhebung der Krankengeschichte durch einen Facharzt an erster Stelle», sagt Privatdozent Dr. Martin Marziniak, Oberarzt Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Münster.

 

Besonders wichtig sei nachzufragen, ob die Schmerzen schlagartig einsetzten und in einer noch nie da gewesenen Stärke aufgetreten sind. Die Ärzte müssen zudem wissen, ob der Schmerz für den Betroffenen neu und unbekannt ist. Verdächtig ist, wenn der Patient den Kopf nicht mehr auf die Brust legen kann, ohne eine Einschränkung zu bemerken. Nackensteifigkeit und ein starkes Ziehen im Halsbereich sind ebenfalls Alarmsymptome, die eine neurologische Untersuchung begründen. Hat der Betroffene Fieber oder sind Anzeichen einer Entzündung in den Blutwerten zu finden, kann eine Hirnhautentzündung bestehen, die per Liquorpunktion abgeklärt werden muss. Tritt dagegen ein Vernichtungskopfschmerz nach körperlicher Anstrengung, starkem Pressen oder bei Bluthochdruck auf, kann ein Blutgefäß im Gehirn gerissen sein. Blutet es in den Subarachnoidalraum zwischen den Hirnhäuten ein, verstirbt etwa jeder sechste Patient, bevor er ein Krankenhaus erreicht. Ein Vernichtungskopfschmerz sollte daher sofort klinisch abgeklärt werden. (db)

 

08.12.2010 l PZ

Foto: Fotolia/Kneschke