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Studie: Vitamin K2 gegen Nierenverkalkung

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Die Lebenszeit von Nierenkranken kann durch ein Vitamin möglicherweise deutlich verlängert werden. Vitamin K2 könnte die bei Dialysepatienten ausgeprägte Gefäßverkalkung reduzieren. «Es gibt erste Befunde, die deutlich in diese Richtung gehen», sagte heute der Nierenspezialist am Aachener Universitätsklinikum, Thilo Krüger. Vor allem wegen der schnellen Gefäßverkalkung habe ein 30-jähriger Dialysepatient im Schnitt lediglich die Lebenserwartung eines 80-jährigen nierengesunden Menschen, also wohl nur noch wenige Jahre. In einer Studie mit 600 Patienten wollen die Wissenschaftler prüfen, wie gut K2 tatsächlich hilft. Möglicherweise hemmt das Vitamin nicht nur die Kalkbildung, sondern ist sogar «Gefäß-Entkalker».

 

Neun europäische Nierenzentren sind an der Studie beteiligt, die Projektleitung liegt bei dem Aachener Professor Jürgen Floege. Die Europäische Nierengesellschaft fördert das Vorhaben mit 1,8 Millionen Euro. Den Patienten wird von Mitte nächsten Jahres an über 18 Monate ein hoch dosiertes, synthetisches Vitamin K2 gegeben oder ein Placebo. Vor, während und nach der Behandlung wird der Status der Gefäßverkalkung mit einer computertomografischen Untersuchung erhoben.

 

Bei Nierenkranken sinkt der Vitamin-K-Spiegel. Während man Vitamin K1, das die Blutgerinnung beeinflusst, über die Nahrung aufnimmt, kommt K2 nur ganz selten in der Nahrung vor. K2 ist aber zuständig für die Aktivierung des wichtigsten Verkalkungshemmers in großen Arterien, das Matrix-Gla-Protein.  Nierenpatienten haben durch die Ablagerungen ein hohes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko. Tierversuche hätten gezeigt, dass bei der Anwendung von K2 sogar bestehende Gefäßverkalkungen abnähmen. «Das wäre der absolute Durchbruch», sagte Mediziner Krüger. Wenn sich das auch in der Studie zeige, könnte das Vitamin möglicherweise auch für Menschen ohne Nierenprobleme hilfreich sein. Dieser Nachweis sei aber nicht Gegenstand der Untersuchung. Erste Ergebnisse der Nierenstudie werden 2013 erwartet.

 

01.07.2010 l dpa

Foto: Fotolia/Kaulitzki