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Morgellons: Unsichtbare Parasiten auf der Haut

Hauterkrankungen können durch Wahnvorstellungen bedingt sein. Dabei bilden sich die Betroffenen ein, ihre Haut sei von unsichtbaren Tieren besiedelt. Von der sogenannten Morgellons-Krankheit haben viele Apotheker und Ärzte noch nie etwas gehört. Jedoch werde diese im Internet als «neue verschwiegene gefährliche Epidemie» bezeichnet und ausführlich beschrieben, informierte der Gießener Psychodermatologe Professor Dr. Uwe Gieler bei der Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie in München. Tatsächlich verberge sich hinter dem komplexen Krankheitsbild eine chronische taktile Halluzinose, die früher anschaulicher als Dermatozoenwahn beschrieben wurde.

 

Die Patienten kommen mit erheblichen Hautentzündungen, schmerzhaften Wunden, ergrauten Haaren, Haarausfall und Augenbeschwerden zum Arzt. Viele leiden auch an massiven systemischen Erkrankungen, berichtete Gieler. Oft brächten sie Hautproben oder Bestandteile der angeblichen winzigen Tierchen mit und bestünden auf einer umfassenden Diagnostik. Typisch sei eine Unbelehrbarkeit, auch wenn alle möglichen Differenzialdiagnosen ausgeschlossen sind. Der Arzt warnte vor der Verordnung von antiparasitären Mitteln oder Anthelmintika, da dies die Patienten in ihrem Dermatozoenwahn bestärke. Als Mittel der Wahl nannte er Olanzapin oder Risperidon über mindestens drei Monate. Ob dies die Halluzinose langfristig beseitigen kann, sei noch offen. (bmg)

 

29.07.2010 l PZ

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