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Akupunktur: Dem Wirkmechanismus auf der Spur

 

Forscher haben einen neuen Anhaltspunkt gefunden, wie Akupunktur gegen Schmerzen wirken kann. Ein Team um Maiken Nedergaard, Neurowissenschaftlerin am Medical Center an der University of Rochester in New York State, veröffentlichte im Fachjournal «Nature Neuroscience» eine Studie an Mäusen, die den Adenosin-A1-Rezeptor für den schmerzlindernden Effekt der Akupunktur verantwortlich macht (doi: 10.1038/nn.2562). Bisher gibt es zwei Theorien zur Wirkweise der Akupunktur: Eine geht davon aus, dass die Nadeln schmerzempfindliche Nerven stimulieren, die im Gehirn zur Ausschüttung von opiumähnlichen Substanzen, den Endorphinen, führen. Die zweite Theorie besagt, dass durch den Glauben des Patienten an die Therapie, die Freisetzung von Endorphinen im Gehirn stimuliert wird.

 

Nedergaard war von beiden Theorien nicht überzeugt, da eine Akupunktur weder schmerzhaft ist, noch wirkt, wenn die Nadeln weit entfernt von der schmerzenden Stelle angesetzt werden. Aus diesem Grund führte ihr Team eine Testreihe an Mäusen durch. Zuerst wiesen die Wissenschaftler nach, dass Adenosin bei einer Akupunktur freigesetzt wird. Dazu gaben sie ihren Mäusen eine leichte Betäubung und akupunktierten an einer Stelle, die einem typischen Akupunkturpunkt am Knie des Menschen entspricht. In der Flüssigkeit im Gewebe um die Nadelspitze wiesen sie eine große Menge an Adenosin nach. In einer weiteren Testreihe spritzten die Forscher Mäusen mit chronischen Schmerzen einen Adenosin-A1-Rezeptoragonisten. Im Anschluss reagierten die Tiere in Standardtests weniger schmerzempfindlich als zuvor. Eine Akupunktur wirkte nach diesem Test ebenfalls schmerzhemmend. An Knock-out-Mäusen ohne Adenosin-A1-Rezeptor zeigten sie, dass dieser für die nozizeptive Wirkung verantwortlich sein muss, da diese Mäuse weder auf Akupunktur noch auf einen Agonisten mit Schmerzhemmung reagierten. War der Abbau von Adenosin bei den Mäusen mit Rezeptor gehemmt, verlängerte sich die Schmerzlinderung von einer auf drei Stunden. Welche Möglichkeiten sich aus diesen Erkenntnissen für eine Therapie am Menschen ergeben und ob sie einfach übertragen werden können, muss in weiteren Versuchen geklärt werden. (sa)

 

05.07.2010 l PZ

Foto: Fotolia/Blackcat