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Angstforschung: Erinnerungen löschen

 

Mit einem einfachen Trainingsprogramm haben Wissenschaftler Menschen unangenehme Ereignisse vergessen lassen. Sie haben dazu die angstbeladenen Erinnerungen zunächst erneut hervorgerufen, um sie dann mit neutralen Informationen zu überschreiben, berichten die Forscher im britischen Fachmagazin «Nature» (Doi: 10.1038/nature08637). Die Erinnerungsblockade halte mindestens ein Jahr an und beeinträchtige das Erinnern an andere Ereignisse nicht. Das Verfahren könnte sich zur Behandlung von Menschen mit quälenden Angststörungen wie etwa einer posttraumatischen Belastungsstörung einsetzen lassen, hoffen die Forscher.

 

Gedächtnisinhalte werden regelmäßig reaktiviert und auf ihre aktuelle Relevanz hin überprüft, bevor sie erneut gespeichert werden. Während dieses «Updates», der Rekonsolidierungsphase, lassen sich Erinnerungen verändern. Elizabeth Phelps und ihre Mitarbeiter von der New York University erzeugten dazu bei ihren Probanden zunächst ein Angstgedächtnis: Sie zeigten ihnen auf einem Bildschirm verschiedenfarbige Quadrate. Beim Anblick einer bestimmten Farbe bekamen die Probanden einen kleinen Elektroschock versetzt. Nach einiger Zeit reagierten die Versuchspersonen allein beim Anblick des farbigen Quadrats, auch ohne Elektroschock, mit Angst. Am nächsten Tag erfolgte die Auslöschung des Angstgedächtnisses. Dazu riefen die Forscher die Erinnerung erneut hervor, indem sie den Probanden das entsprechende Quadrat zeigten. In der dann folgenden Rekonsolidierungsphase bekamen die Versuchspersonen immer wieder das Quadrat zu sehen, erhielten aber keinen Elektroschock mehr. So lernten sie, dass das Objekt harmlos ist. Am folgenden Tag reagierten die Probanden neutral auf das Quadrat, die angstbeladene Erinnerung war verschwunden.

 

Allerdings funktioniert das nur, wenn das Überschreiben der alten Information innerhalb der labilen Rekonsolidierungsphase erfolgt, berichten die Wissenschaftler. Diese dauert nach der Reaktivierung der Erinnerung etwa sechs Stunden. Versuchspersonen, bei denen zwischen Reaktivierung der Erinnerung und dem Auslöschungstraining mehr Zeit lag, reagierten beim Anblick des Quadrats weiterhin mit Angst.

 

10.12.2009 l PZ/dpa

Foto: Fotolia/Kaulitzki