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Statine: Gut für Gefäße, schlecht fürs Gedächtnis

 

US-Wissenschaftlern zufolge wirken sich Statine ungünstig auf die Gehirnfunktion aus. «Die Einnahme von Statinen führt nicht nur dazu, dass die Cholesterolsynthese in der Leber blockiert wird. Die Lipidsenker können auch ins Gehirn gelangen und reduzieren dort die Bildung des Steroids», sagte Professor Dr. Yeon-Kyun Shin von der Iowa State University. Das wirke sich negativ auf die Ausschüttung von Neurotransmittern aus, was infolgedessen die Gedächtnisleistung reduziere. Shins Studienergebnisse werden diesen Monat im Fachjournal «Proceedings of the National Academy of Sciences» veröffentlicht. In seinen Experimenten hatte der Wissenschaftler die Neurotransmitter-Ausschüttung in Gehirnzellen in beziehungsweise ohne Anwesenheit von Cholesterol verglichen. Dabei kam er zu dem Ergebnis, dass in Zellen, denen Cholesterol zur Verfügung stand, die Proteinfunktion fünfmal höher war.

 

Im deutschen Spontanerfassungssystem, der gemeinsamen Datenbank des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte und der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, sind einige Fälle aufgeführt, in denen eine Statin-Einnahme zu Gedächtnisstörungen geführt hat. Stimmt Shins Theorie, dann müssten vor allem lipophile CSE-Hemmer wie Atorvastatin und Simvastatin zu den beschriebenen Nebenwirkungen führen, weil sie die Blut-Hirn-Schranke besser überwinden können als hydrophile Vertreter dieser Substanzklasse. In der Literatur wird zumindest über einen 51-jährigen Patienten mit Gedächtnisverlust unter Simvastatin berichtet, bei dem nach Umstellung auf das hydrophilere Pravastatin diese Nebenwirkung nicht mehr auftrat («Pharmacotherapy» 2001, Band 21, Seiten 767 bis 769). (ss)

 

26.02.2009 l PZ

Foto: Fotolia/Dave