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Österreich und Italien: Wenig Sorge vor dem EuGH-Urteil

Wie Deutschland sind auch Österreich und Italien vom Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) zum Fremdbesitzverbot betroffen. Im Gegensatz zu den deutschen Apothekern bereitet das Verfahren den Kollegen in Italien und Österreich allerdings keine schlaflosen Nächte. Grund dafür sind die Niederlassungsbeschränkungen, die es in beiden Ländern Apothekenketten schwer machen würde, schnell Marktanteile zu gewinnen. Wie Dr. Lorenz Linsmayer beim Managementkongress in Camp de Mar, Mallorca, erklärte, gibt es für die 1250 öffentlichen Apotheken in Österreich ein Konzessionssystem. Neue Apotheken dürfen nur nach einer Bedarfsprüfung eröffnet werden. Als geeignet gilt ein Standort nur, wenn er mindestens 550 Meter von der nächsten Apotheke entfernt ist und die neue Apotheke ein Versorgungspotenzial von 5500 Menschen oder mehr hat. Zwar wird auch in Österreich offen davon gesprochen, dass die Celesio-Tochter Herba Chemosan verdeckt Apotheken übernimmt, doch kann sie dies nur zu hohen Preisen tun. Mindestens einen Jahresumsatz müssen Einkäufer nach Schätzungen von Linsmayer für eine Apotheke ausgeben. Die obere Grenze für den Kaufpreis liegt bei drei Jahresumsätzen. Wenig überraschend ist es deshalb, dass Linsmayer sagt, »über den Fall des Fremdbesitzverbotes mache ich mir nicht so viele Sorgen«. Wegen des Gebietsschutzes dürften zumindest die ordentlich geführten Apotheken auch nach einem negativen EuGH-Urteil noch profitabel bleiben.

 

Ähnlich ist die Situation in Italien. Das Land ist selbst an einem EuGH-Verfahren beteiligt. In diesem Verfahren geht es darum, dass in Italien zwar auch Gesellschaften Apotheken besitzen dürfen, Großhändler und Pharmaunternehmen aber davon ausgeschlossen sind. Entscheidend für die Neueröffnung einer Apotheke sei der Apothekenverteilungsplan (Pianta organica), erläuterte Dr. Zita Marsoner-Staffl. In Städten müssen mindestens 5000 Menschen von einer Apotheke versorgt werden, bevor eine neue eröffnet werden kann. In kleineren Gemeinden sind es 2500, oder wenn die nächste Apotheke mehr als 10 Kilometer entfernt ist. Wegen dieser Rahmenbedingungen wäre es auch in Italien für Kettenbetreiber ein teures Vergnügen, ein Filialnetz aufzubauen. Nach den Angaben von Marsoner-Staffl liegen die Übernahmepreise für Apotheken zwar unter dem österreichischen Niveau. Einen Jahresumsatz können Verkäufer aber durchaus erzielen. (dr)

 

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10.11.2008 l PZ

Foto: Fotolia/Buckin