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DocMorris will Kette und Franchise

Falls der deutsche Apothekenmarkt liberalisiert würde, will DocMorris parallel eine Apothekenkette gründen und sein Franchisesystem ausweiten. «Wir werden definitiv ein duales System fahren, wir werden Apotheken kaufen, aber die Kooperationen weiter ausbauen», sagte DocMorris-Chef Ralf Däinghaus am Freitag im Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Erklärt der Europäische Gerichtshof das deutsche Fremdbesitzverbot für ungültig, will DocMorris’ Mutterkonzern Celesio innerhalb eines Jahres 30 bis 50 Apotheken kaufen und in den kommenden drei bis fünf Jahren 500 neue Filialen eröffnen, berichtet dpa-AFX. Dabei fasst er auch Landapotheken ins Auge. «Die Strukturen sind schlecht, es gibt auf dem Land eine Unterversorgung», behauptet Däinghaus. Dem widerspricht ABDA-Pressesprecher Thomas Bellartz entschieden: «Es gibt keine Unterversorgung in Deutschland. Ich halte das für einen neuen verzweifelten Versuch, auf sich aufmerksam zu machen. Die Ausbreitung der Franchiseapotheken beschränkt sich fast ausschließlich auf große Städte und Einkaufszentren.» Bellartz hält es für unwahrscheinlich, dass DocMorris ein ernsthaftes Interesse an der ländlichen Versorgung hat.

 

Viele Apotheker hätten im Falle einer Liberalisierung einen möglichen Verkauf ihrer Apotheke signalisiert, sagte Däinghaus. Ob die Apotheker jedoch wirklich bereit sind, an DocMorris zu verkaufen, ist zweifelhaft. Däinghaus selbst räumte ein: «Es gibt auch viele Apotheker darunter, die nur den Marktwert ihrer Apotheke schätzen lassen wollen.» Potenzielle Konkurrenz sieht er vor allem durch die Phoenix-Gruppe, den britischen Konzern Alliance Boots und die niederländische Firma OPG sowie durch Einzelhändler und Drogerieketten wie dm und Schlecker. (db)

 

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07.11.2008 l PZ

Foto: DocMorris (Filiale in Saarbrücken)