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Apotheker ohne Grenzen

100.000 Euro Preisgeld für Argentinien-Projekt

Am Donnerstagabend wurde ein von Apotheker ohne Grenzen aufgebautes Projekt für chronisch kranke Slumbewohner in Buenos Aires mit dem Preis für Medizinische Entwicklungszusammenarbeit der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung ausgezeichnet. Dank 100.000 Euro Preisgeld kann das Projekt in den kommenden Jahren weiterlaufen – und viele chronisch kranke Patienten vor Schlaganfällen, Herzinfarkten und Amputationen retten.
Daniela Hüttemann
23.11.2018
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Den Preis nahm stellvertretend für ihr Team die AoG-Projektkoordinatorin Apothekerin Dr. Carina Vetye im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Berlin entgegen. »Neben dem Preisgeld freuen wir uns vor allem über die Anerkennung unserer Arbeit«, sagte Vetye im Interview mit der Pharmazeutischen Zeitung. »All unsere lokalen Apothekerinnen arbeiten ehrenamtlich. Das ist wertvolle pharmazeutische Arbeit unter Worst-Case-Bedingungen. Wir beschaffen die nötigen Arzneimittel und beraten die Patienten bei der Abgabe, führen Schulungen durch und engagieren uns in der Prävention.«

Seit 2002 engagiert sich der deutsche Verein Apotheker ohne Grenzen im Gesundheitszentrum Nr. 16 in Buenos Aires und half zum Beispiel bei der Einrichtung einer kleinen Apotheke. Von Anfang war Vetye dabei, die zunächst ehrenamtlich und mittlerweile hauptberuflich abwechselnd vor Ort in Argentinien und in Deutschland tätig ist. Seit 2008 läuft das nun ausgezeichnete Projekt mit dem Titel »Verbesserung der medizinischen Ausbildung und der Patientenversorgung bei nicht-übertragbaren Krankheiten: Zehn Jahre gesicherter Zugang zu Diagnose und Therapie der Hypertonie, Diabetes, Hypercholesterinämie und/oder Adipositas für Slum-Bewohner von Buenos Aires«.

Die Pharmazeutin freut sich, dass durch den Preis die Aufmerksamkeit auf ein stark steigendes, in der europäischen Wahrnehmung aber häufig noch verkanntes Problem gelenkt wird: In Entwicklungs- und Schwellenländer wie Argentinien sind aufgrund ungesunder Ernährungsweise Millionen Menschen von chronischen Erkrankungen wie Hypertonie, Adipositas und Diabetes betroffen – oft aus Unwissenheit oder weil sie sich gesunde Lebensmittel nicht leisten können. »Diese Erkrankungen werden zu Unrecht als Wohlstandskrankheiten bezeichnet – im Gegenteil, sie treffen vor allem die Armen«, betont Vetye. »Bei akuten Erkrankungen legen Familie und Bekannte noch Geld zusammen, das ist aber bei den Kosten chronischer Erkrankungen nicht machbar.«

Die Patienten wissen zwar, dass sie krank sind und dass ein Diabetes beispielsweise sehr wahrscheinlich für sie den Verlust des Augenlichts oder Gliedmaßen bedeutet. Sie wissen auch, dass es wirksame Medikamente dagegen gibt. Doch sie kommen häufig nicht kostenlos und verlässlich daran. Blutzuckerteststreifen beispielsweise seien unbezahlbar für sie, erklärt Vetye. »Kommt es dann zu Folgeschäden, zum Beispiel wenn ein 37-jähriger Familienvater einen Schlaganfall erleidet, rutscht die gesamte Familie noch tiefer ins Elend«, berichtet die Deutsch-Argentinierin.

Theoretisch gibt es eine kostenlose Arzneimittelversorgung durch den Staat. Doch was bereitgestellt wird, deckt bei Weitem nicht den tatsächlichen Bedarf, wie AoG über die Jahre genau für den Gesundheitsposten Nr. 16 ausgerechnet hat. Hier hilft der Verein mit Finanzmitteln nach, um die entsprechenden Medikamente von lokalen Großhändlern aufzustocken. Auch die Gehälter der Ärztinnen, festen Apothekenmitarbeiterinnen und Health Worker hilft AoG zu finanzieren, um die 25.000 Menschen in der Umgebung verlässlich zu versorgen. »Wir haben den Menschen dort die Zusage gemacht, dass sie ihre Medikamente zuverlässig bei uns erhalten. Da hilft das Preisgeld natürlich ungemein, auch wenn wir weiterhin auf Spenden angewiesen sind«, so Vetye.

Online-Spenden unter: www.apotheker-ohne-grenzen.de

 

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