Die Unimedizin Mainz gehört weltweit zu den ersten Kliniken, die einen 3D-Drucker in der Onkologie einsetzen. / © Universitätsmedizin Mainz/Tamás Vincze
Das Zytostatikum 6-Mercaptopurin (6MP) wird bei Kindern hauptsächlich zur Behandlung der akuten lymphatischen Leukämie eingesetzt. Für die Therapie sind ein Saft zum Einnehmen (Importarzneimittel), der jedoch von vielen Kindern schlecht akzeptiert wird, sowie Tabletten in einer fixen Dosierung verfügbar. Zwar können in der Rezeptur Kapseln in patientenindividueller Dosierung hergestellt werden, der Prozess birgt jedoch ein erhöhtes Kontaminationsrisiko für Apothekenmitarbeiter und die verabreichenden Eltern.
Neuerdings bieten 3D-Drucker die Möglichkeit, einzeldosierte Arzneiformen in patientenindividueller Dosierung herzustellen und flexibel Dosisanpassungen vorzunehmen. Die Apotheke der Universitätsmedizin Mainz hat daher ein Projekt zur Entwicklung von 3D-gedruckten 6MP-Tabletten mittels des Pharma Printer 1 von CurifyLabs gestartet. Mithilfe eines extrusionsbasierten, gravimetrisch kontrollierten Verfahrens können 6MP-Geltabletten hergestellt werden, die einfach geschluckt oder gekaut werden können.
Für den Umgang mit 6MP müssen geeignete technische Schutzmaßnahmen und eine persönliche Schutzausrüstung festgelegt werden. Da es bisher keine Erkenntnisse zur Gefährdung beim 3D-Druck von CMR-Substanzen gibt, wurde zunächst eine Gefährdungsbeurteilung gemäß Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) sowie den Technischen Regeln für Gefahrstoffe in medizinischen Einrichtungen (TRGS 525) durchgeführt.
Während die orale und inhalative Exposition durch geeignete technische Maßnahmen praktisch ausgeschlossen ist, bleibt das Risiko der dermalen Exposition durch Verschleppung aus dem Arbeitsbereich. Die Belastung von Oberflächen und das Verschleppungsrisiko lassen sich durch ein Wischproben-Monitoring abschätzen und minimieren. Angelehnt an das Forschungsprojekt MEWIP (Monitoring-Effekt-Studie für Wischproben in Apotheken) wird in Zusammenarbeit mit dem Institut für Umwelt & Energie, Technik & Analytik in Duisburg (IUTA) ein angepasstes Wischproben-Monitoring für den 3D-Druck von Probechargen der 6MP-Tabletten durchgeführt.
Die Herstellung findet in einem zugeordneten Raum mit einer zugeordneten Sicherheitswerkbank (SWB) (speziell eingestellter Luftstrom zum Umgang mit Pulvern) in der Apotheke der Universitätsmedizin Mainz statt. Die offenen Vorgänge wie das Wiegen und Überführen von 6MP in die Grundlage werden innerhalb der SWB, der Mischvorgang mit dem eigens vorgesehenen Gerät und der Druckprozess außerhalb durchgeführt. Im Rahmen des Wischproben-Monitorings soll geklärt werden, ob der 3D-Drucker und das Mischsystem als geschlossenes System betrachtet und außerhalb der Werkbank betrieben werden können.
Die Untersuchung der potenziell kritischen Oberflächen des Herstellungsprozesses zeigte, dass im Innenraum des 3D-Druckers im Vergleich zu den anderen getesteten Flächen die höchste 6MP-Konzentration vorlag. Mithilfe weiterer Wischproben in verschiedenen Bereichen des Druckerinnenraums soll nun die Kontaminationsquelle innerhalb des 3D-Druckers identifiziert werden.
Geprüft wurde außerdem die Außenkontamination der Blister. Die Konzentration lag dabei unterhalb der Bestimmungsgrenze, was durch weitere Probenahmen bestätigt werden konnte. Daraus lässt sich schließen, dass beim Umgang mit den Blistern, zum Beispiel durch das Apothekenpersonal oder die Eltern, keine Verschleppung und somit keine Exposition zu erwarten ist.
Aus den Untersuchungsergebnissen werden die notwendigen Schutz- und Reinigungsmaßnahmen abgeleitet, um eine Exposition und Verschleppung bei der Herstellung zu vermeiden. Das ist ein wichtiger Schritt, um die Herstellung und Anwendung von 6MP-Geltabletten in der Praxis umsetzen zu können.