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Abrechnung von Parenteralia
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Zyto-Apotheker fühlen sich vergessen

Die erweiterten Austauschregeln für Rabattarzneimittel hat die Ampel-Koalition zuletzt bis Ende Juli verlängert – das Pendant für parenterale Zubereitungen aber nicht. Die Zytostatika herstellenden Apotheker sehen sich dadurch im Nachteil.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 28.03.2023  13:00 Uhr
Nachbesserungsbedarf aus Sicht der Zyto-Apotheken

Nachbesserungsbedarf aus Sicht der Zyto-Apotheken

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hatte zuletzt häufiger von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, das Inverkehrbringen nicht deutschsprachig gekennzeichneter Arzneimittel zu gestatten, um Versorgungsengpässe bei Onkologika abzufedern. »Das Problem ist aber, dass die Krankenkassen auch in diesen Fällen die in der Hilfstaxe vorgesehenen Abschläge oder den Herstellerrabatt einfordern«, sagte Püschel. Würden in Deutschland nicht lieferbare Krebstherapeutika nach § 73 Absatz 3 Arzneimittelgesetz importiert, pochten die Kassen darauf, jeden einzelnen Import zu genehmigen. Daraus ergebe sich für die Zyto-Apotheken ein enormer Bürokratieaufwand.

Auch im geplanten Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetz (ALBVVG) sieht die Anwältin die Belange der Zyto-Apotheken nicht ausreichend berücksichtigt. Die vorgesehene Diversifizierung von Lieferketten bei Antibiotika und Onkologika sei zwar sinnvoll, da sie erstmals die Ursache für die Lieferengpässe adressiere. Die geplante Regelung reiche aber nicht aus, da sie nur Fertigarzneimittel betreffe und nicht auch Fertigarzneimittel in parenteralen Zubereitungen. Püschel sprach in diesem Zusammenhang mit Blick auf den Arzneistoff, dessen Versorgungskrise wohl hinter diesem Passus steckt, von einer »Lex Tamoxifen«.

Fehlende Wahrnehmung – und Bezahlung

Mit dem Management von Lieferengpässen setzen die Apotheken sich jeden Tag für ihre Patienten ein – ohne dafür allerdings angemessen honoriert zu werden. »Was Apotheker leisten, wird in der Art und Weise, wie sie bezahlt werden, nicht abgebildet«, sagte Professor Dr. Giovanni Maio, Medizinethiker an der Universität Freiburg. Patienten zu beraten und zu »entängstlichen«, sei eine wesentliche Leistung der Apotheken, die niemand zahle.

Aus Maios Sicht müssten Apotheker daher ihre Heilberuflichkeit gegenüber der Politik stärker betonen. Denn Politiker gingen selten selbst in Apotheken; sie kennten deren wichtige Beratungsleistung daher nicht aus erster Hand. »Wenn aber die Apotheken in der Wahrnehmung der politischen Entscheidungsträger als marktkonforme Institute betrachtet werden, die möglichst billig zu arbeiten haben, werden sie abgewertet«, sagte Maio.

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