| Laura Rudolph |
| 24.06.2026 16:15 Uhr |
Apotheken als unverzichtbarer Teil der Primärversorgung: AKNR-Präsident Armin Hoffmann betonte die Bedeutung pharmazeutischer Kompetenz und neuer Versorgungsaufgaben. / © AKNR/Schütze
»Wir leben in einer bewegten Zeit«, betonte der Kammerpräsident am heutigen Mittwoch bei der Delegiertenversammlung in Neuss. Seit der vergangenen Kammerversammlung habe sich im Gesundheitswesen viel verändert. »Versorgungswege, Finanzierung und Zuständigkeiten im Gesundheitswesen werden neu verhandelt – und nicht zuletzt auch das Selbstverständnis der Heilberufe«, so Hoffmann.
Vor dem Hintergrund von demografischem Wandel, Fachkräftemangel, steigenden Anforderungen und finanziellen Engpässen sprach sich der Präsident für einen Perspektivwechsel aus. »Wer Zukunft gestalten will, muss bereit sein, den Blickwinkel zu ändern.«
Apotheker betrachteten Gesundheitsversorgung häufig zu stark aus der Perspektive des eigenen Betriebs. Notwendig sei es jedoch auch, die Sicht von Politik, anderen Heilberufen und Patienten zu verstehen. Politik sei immer eine Wissenschaft des Kompromisses. »Man muss auch den Mut haben, die eigene Rolle zukunftskritisch zu betrachten.« Erst dieser Perspektivwechsel mache deutlich, was Apotheken bereits heute leisten und welche Aufgaben sie künftig leisten müssen.
Mit Blick auf das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) bezeichnete Hoffmann die Vor-Ort-Apotheken als unverzichtbaren Bestandteil der Primärversorgung. Pharmazeutische Kompetenz sei dabei ein »strategischer Schatz«, den es stärker sichtbar zu machen gelte.
Positiv bewertete er die im Gesetz vorgesehenen erweiterten Kompetenzen für Apotheker. Pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) seien wichtige Bausteine einer qualitätsgesicherten Versorgung. Gleiches gelte für Screening-, Präventions- und Impfangebote, das Medikationsmanagement sowie erweiterte Abgabekompetenzen bei der Versorgung chronisch kranker Menschen.
Hoffmann plädierte dafür, stärker in Versorgungspfaden statt in Berufsständen zu denken. Entscheidend sei die Frage, wie Patienten schnell, sicher und verlässlich die Leistungen erhalten, die sie benötigen. Die neuen pharmazeutischen Kompetenzen seien weder als Angriff auf die Ärzteschaft noch als Verdrängungswettbewerb zu verstehen. Ärzte seien Partner und keine Konkurrenten. »Das setzt aber voraus, dass die Rollen klar definiert sind und respektiert werden.« Kooperation sei eine Chance. Kein Gesundheitsberuf werde die Herausforderungen des Gesundheitssystems allein bewältigen können.
Zugleich machte Hoffmann deutlich, dass viele Apotheken wirtschaftlich unter Druck stehen. »Auch junge Kollegen fragen sich zu Recht, wie zukunftsfest der Beruf ist.« Die neuen Leistungen und die verbesserte Honorierung müssten als Gesamtpaket verstanden und genutzt werden. Andere Länder erzielten mit pharmazeutischen Dienstleistungen bereits einen zweistelligen Prozentsatz des Gesamtumsatzes – in dieser Hinsicht hinke Deutschland noch hinterher. Ziel sei es, die pharmazeutische Kompetenz stärker in die Versorgung einzubringen und deren Nutzen für Patienten und Politik sichtbar zu machen.
Hoffmann sieht die Politik jedoch in der Pflicht, verlässliche Rahmenbedingungen für Apotheken zu schaffen. Er appellierte eindringlich an das Bundesgesundheitsministerium, die mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz geplante Erhöhung des Kassenabschlags zu überdenken.
Darüber hinaus müsse die Nachwuchsförderung gestärkt werden. Die Bundesapothekerkammer (BAK) arbeite bereits an der Novellierung der Approbationsordnung, um den Berufsstand langfristig zukunftsfest aufzustellen.