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Sportverletzungen vermeiden

Worauf Frauen achten sollten

Männer und Frauen haben wegen ihrer unterschiedlichen Anatomie unterschiedliche Risiken für bestimmte Sportverletzungen und brauchen daher verschiedene Präventionsstrategien, betonen Orthopäden.
dpa
PZ
29.10.2021  07:00 Uhr

Frauen holen sich bei Sportarten mit schnellen Richtungswechseln wie Volleyball, Fußball oder Tennis häufiger Kreuzbandrisse im Knie als Männer. Nach Angaben des Berufsverbandes für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) reißt bei ihnen dabei im Vergleich zwei- bis achtmal häufiger das vordere Kreuzband. Auf diese höheren Verletzungsrisiken müsse man Frauen hinweisen, sagt BVOU-Präsident Professor Dr. Johannes Flechtenmacher. «Die meisten wissen das gar nicht.» Und auch die Langzeitfolgen sind nicht zu vernachlässigen: «Nach einem Kreuzbandriss entwickeln viele Frauen eine Arthrose.»

Ein Grund für die höhere Verletzungsquote: Frauen landen beim Springen anders als Männer. Das habe mit der stärkeren X-Bein-Stellung bei Frauen zu tun, so Flechtenmacher. Das Bein bewegt sich mehr nach innen. Dadurch ist die Belastung höher. Deshalb sei es wichtig, darauf zu achten und eine andere Haltung zu trainieren. Auch beim Skifahren haben Frauen ein höheres Risiko für Kniebandverletzungen, wie der Fachverband mit Verweis auf eigene Untersuchungen berichtet.

Wie lässt sich das Risiko einer Verletzung beim Abfahrtsski im Winterurlaub senken? Orthopäde Flechtenmacher schlägt vor, präventiv sogenanntes neuromuskuläres Training zu machen. Dabei werden nicht nur die Muskeln rund um das Gelenk, sondern auch die Koordination trainiert. Beispiele für solche Übungen sind Ausfallschritte oder Kniebeugen auf einem Wackelbrett.

In Deutschland verletzen sich jedes Jahr mehr als 1,5 Millionen Menschen, so der BVOU – 53 Prozent dieser Unfälle passieren im Verein, 47 Prozent beim Freizeitsport. 87 Prozent der Verletzungen müssen ärztlich behandelt werden. Die Gesamtkosten für diese Behandlungen werden auf circa 1,5 Milliarden Euro geschätzt. »Wir haben zu viele unnötige Sportverletzungen«, findet Flechtenmacher und plädiert für mehr geschlechtsspezifische Prävention.

Unterschiedlich behandelt oder operiert werden müssen Männer und Frauen dagegen nicht. Frauen brauchten zum Beispiel keine spezielle Knieprothese.

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