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Onkologie

Wirkstoffe gegen Epstein-Barr-Virus entwickelt

Substanzen, die die Replikation des Epstein-Barr-Virus (EBV) hemmen, stellen US-amerikanische Forscher im Fachjournal »Science Translational Medicine« vor. Sie könnten in der Therapie von EBV-assoziierten Tumoren eingesetzt werden. Este Daten aus Tierversuchen sind positiv.
Christina Hohmann-Jeddi
11.03.2019
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Das Epstein-Barr-Virus ist der Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers. Mehr als 90 Prozent der erwachsenen Bevölkerung weltweit ist mit dem Virus aus der Familie der Herpesviridae infiziert. Der Erreger etabliert eine lebenslange latente Infektion in B-Lymphozyten. Schon seit Längerem arbeiten Forscher an Wirkstoffen und Impfstoffen gegen das Virus, denn die persistierende Infektion begünstigt die Tumorentstehung. So wird das Virus mit einer Reihe von Tumoren wie Nasopharynxkarzinom, Burkitt-Lymphom, Hodgkin Lymphom und Magenkrebs in Verbindung gebracht. Das einzige virale Antigen, das durchgehend in diesen Tumoren exprimiert wird, ist das Epstein-Barr Nuclear Antigen 1 (EBNA1).

Auf dieses DNA-bindende Protein, das der Erreger zur Replikation seines Erbguts benötigt, konzentrierte sich daher die Arbeit einer Forschergruppe um Dr. Troy Messick vom Wistar-Institut in Philadelphia. Anhand einer 3D-Struktur von EBNA1 entwickelte das Team eine Klasse von Wirkstoffen, die die Bindung des Proteins an die DNA verhindern. Die Wirksamkeit dieser Inhibitoren testeten die Forscher dann an immunsupprimierten Mäusen, denen Tumorzellen beziehungsweise Gewebe von Patienten mit EBV-assoziierten Tumoren transplantiert worden waren. Die Inhibitoren unterdrückten die Replikation des viralen Genoms und konnten das Tumorwachstum drastisch reduzieren. Einzelne der getesteten Inhibitoren waren effizienter als die Kombination aus Bestrahlung und Chemotherapie, die Standardbehandlung bei Nasopharynxkarzinom.

»Wir sind begeistert von der Aktivität, die die Inhibitoren in einer Reihe von präklinischen Studien gezeigt haben, und sind jetzt gespannt auf die nächste Stufe der klinischen Entwicklung«, sagt Messick in einer Mitteilung des Instituts. In den Tests hätte sich gezeigt, dass die Substanzen ein vorteilhaftes pharmakologisches Profil haben, und es war auch bei längerer Anwendung keine Entwicklung von Resistenzen erkennbar.

DOI: 10.1126/scitranslmed.aau5612

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