Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Lepra
-
Wirksame Medikamente sind da – das Stigma aber auch

Lepra ist keineswegs verschwunden: Weltweit infizieren sich jeden Tag durchschnittlich 470 Menschen mit dem Mykobakterium. Doch die Krankheit ist heilbar und Ansteckung wäre vermeidbar. Darauf weist die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe, Würzburg, anlässlich des Welt-Lepra-Tags am 25. Januar hin.
AutorKontaktBrigitte M. Gensthaler
Datum 23.01.2026  09:00 Uhr
Wirksame Medikamente sind da – das Stigma aber auch

Langfristig gesehen nimmt die Lepra-Inzidenz weltweit ab. Dennoch werden jährlich mehr als 170.000 Neuerkrankte gemeldet – darunter mehr als 9000 Kinder. Viele haben zum Zeitpunkt der Diagnose bereits eine fortgeschrittene Behinderung. Zu den betroffenen Ländern zählen insbesondere Indien, Brasilien und Indonesien. Gleichzeitig kommt Lepra sporadisch auch in Europa vor, begünstigt durch Migration, hohe Mobilität und lange Inkubationszeiten, berichtet ein Autorenteam um Anil Fastenau von der DAHW im »Epidemiologischen Bulletin« Nummer 3/2026 (DOI: 10.25646/13606). So habe es Ende November 2025 zwei bestätigte Lepra-Fälle in Rumänien gegeben.

Lepra wird durch Mycobacterium leprae verursacht und wird nach seinem Entdecker international auch Hansen-Krankheit genannt. Das Bakterium hat eine außergewöhnlich lange Inkubationszeit. Symptome können innerhalb eines Jahres nach der Infektion auftreten, aber auch nach 20 Jahren und später. Klinisch manifestiert sich Lepra vor allem an der Haut und den peripheren Nerven, kann jedoch auch Augen, Schleimhäute und Atemwege betreffen. Die Infektion kann zu Empfindungsstörungen und Deformationen führen. 

Wichtig für die Therapie ist eine Klassifikation der Erkrankung nach Art und Anzahl der betroffenen Hautareale:

  • paucibazillär (PB): bis zu fünf Hautläsionen ohne nachgewiesene Bakterien in Proben aus diesen Gebieten
  • multibazillär (MB): sechs und mehr Hautläsionen, Bakterien wurden in Proben von Hautläsionen erkannt oder beides.

Mit Antiinfektiva heilbar

Jahrtausende lang war Lepra unheilbar und verlief chronisch. Die Patienten waren oft entstellt und litten an massiven Behinderungen; sie wurden von anderen Menschen gefürchtet und gemieden. Aufgrund dieser sozialen Stigmatisierung war und ist die psychische Belastung oft massiv.

Die Einführung der antimykobakteriellen Multi-Drug-Therapie (MDT) in den 1980er-Jahren stellte einen Meilenstein in der Lepra-Bekämpfung dar. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt heute die Kombination von Dapson (Diaminodiphenylsulfon), Rifampicin und Clofazimin über eine Dauer von sechs Monaten bei PB-Patienten und zwölf Monate bei MB-Patienten. Die Dosierung richtet sich nach dem Alter beziehungsweise Körpergewicht. Fast alle Patienten werden damit vollständig geheilt und sind kurz nach Therapiebeginn nicht mehr infektiös.

Die Medikamente können das Fortschreiten der Lepra stoppen, aber Nervenschäden und Missbildungen nicht rückgängig machen. Die WHO betont daher, dass frühzeitige Diagnose und Therapie dazu beitragen, Behinderungen zu vermeiden. Die Behandlung ist weltweit kostenlos verfügbar und auch in armen Settings gut umsetzbar.

Mehr von Avoxa