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Strafverfahren
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Wie teuer war Paxlovid wirklich?

Vor dem Landgericht Berlin wurde heute das Verfahren gegen einen Apotheker fortgesetzt, der während der Corona-Pandemie im großen Stil das Covid-19-Präparat Paxlovid ohne Rezept abgegeben hat. Den Verkauf gesteht er ein, im Verfahren geht es vor allem um die Frage, ob oder in welcher Höhe dem Bund dabei ein Schaden entstanden ist. Heute war eine Beamtin des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) als Zeugin geladen, außerdem soll ein Sachverständiger geladen werden.
AutorKontaktAlexander Müller
Datum 13.11.2024  15:44 Uhr

Nachfrage aus China

Eine verstärkte Nachfrage entstand in der Volksrepublik China Anfang 2023, wo die Pandemie nach einer langen Phase extremer Restriktionen stark um sich griff. Beim BMG liefen zwar keine direkten Anfragen aus China ein, sehr wohl aber Anfrage von Apotheken und Zwischenhändlern, ob Paxlovid weiterverkauft werden darf. Das war aber gemäß der Allgemeinverfügung nicht zulässig.

Vor dem Landgericht wurden anschließend noch drei Angestellte aus der Apotheke des S. als Zeuginnen befragt. Eine Apothekerin konnte zum Verkauf der Paxlovid-Packungen keine Angabe machen, zumal sie zur fraglichen Zeit im Urlaub gewesen sei. Die Approbierte verwies aber darauf, dass sich die rechtliche Situation manchmal innerhalb eines Tages geändert habe.

Apothekenteam als Zeugen geladen

Das Team habe sich so gut es geht auf den aktuellen Stand gebracht – auch wenn die rechtlichen Vorgaben »für uns nicht immer zu verstehen waren«. Aufgrund der Flut der Informationen zu dieser Zeit habe seien die Rundschreiben des Berliner Apothekervereins manchmal auch liegengeblieben, wenn in der Apotheke viel los war. Über den besonderen Vertriebsweg von Paxlovid sei sie nicht informiert gewesen, gab sie zu Protokoll.

Als nächstes wurde die PKA befragt, die seinerzeit für die Bestellungen von Paxlovid zuständig war. Sie hatte beim Großhandel geklärt, welche Mengen sie bestellen darf und dann auf Anweisung ihres Chefs geordert. Die Menge sei schon außergewöhnlich gewesen, aber zu dieser Zeit hätten öfter größere Mengen Kartons mit Schutzmasken oder Corona-Tests in der Apotheke gestanden.

Die dritte Zeugin aus der Apotheke, eine PTA, hatte selbst nie einen Verkauf. Von dem Verkauf größerer Mengen habe sie erst nach der Durchsuchung erfahren. Der Inhaber habe das Team über den Verkauf aufgeklärt, aber versichert, dass das allein seine Sache sei und sich das Team keine Sorgen machen müsse. Nächster Verhandlungstermin ist der 26. November.

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