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Strafverfahren
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Wie teuer war Paxlovid wirklich?

Vor dem Landgericht Berlin wurde heute das Verfahren gegen einen Apotheker fortgesetzt, der während der Corona-Pandemie im großen Stil das Covid-19-Präparat Paxlovid ohne Rezept abgegeben hat. Den Verkauf gesteht er ein, im Verfahren geht es vor allem um die Frage, ob oder in welcher Höhe dem Bund dabei ein Schaden entstanden ist. Heute war eine Beamtin des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) als Zeugin geladen, außerdem soll ein Sachverständiger geladen werden.
AutorKontaktAlexander Müller
Datum 13.11.2024  15:44 Uhr

BMG-Beamtin darf Preis nicht nennen

Die Verteidigung zeigte sich »sehr irritiert« von dieser Beschränkung, zumal der Preis von 665 Euro pro Packung bereits öffentlich bekannt sei. Und nicht zuletzt müsse sich ihr Mandant gegen einen konkreten Pfändungsbeschluss verteidigen. »Ich hoffe und erwarte, dass die Kammer sich für den transparenten Weg entscheidet«, so der Anwalt des Apothekers.

Der Bund hatte Anfang 2022 eine Million Packungen Paxlovid direkt bei Pfizer eingekauft. Im Verlauf des Jahres wurde die Ware in vier etwa gleich große Tranchen an die elf vollsortierten Großhandel ausgeliefert. Die Apotheken durften zunächst in unbegrenzter Menge bestellen und auf Vorlage einer Verordnung abgeben. Abgerechnet wurde direkt mit dem Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS).

Die Vergütung wurde auf 30 Euro netto festgelegt, der Großhandel erhielt 20 Euro zuzüglich Umsatzsteuer. Das BMG hatte sich nach Aussage der Beamtin bei der Festlegung dieser Pauschalen wiederum an den gesetzlich festgelegten Margen der Arzneimittelpreisverordnung (AMPreisV) orientiert. Auch damit ist der kolportierte Beschaffungspreis von 665 Euro plausibel.

Ladenhüter Paxlovid

Doch Paxlovid wurde nicht in der erwarteten Menge verordnet. Anfang wurden nach Angaben der Zeugin aus dem BMG 500 bis 5000 Therapieeinheiten pro Woche ausgeliefert, im August stieg der Wert vorübergehend auf 20.000 Packungen pro Woche. Zu dem Zeitpunkt wurde das Dispensierrecht vom BMG auf Ärzte und stationäre Pflegeeinrichtungen übertragen. Doch zum Ende des Jahres war die Nachfrage laut der BMG-Zeugin schon wieder abgeflacht. Aufgrund der 2022 vorherrschenden Omikron-Variante des Virus und weniger schwerer Verläufe war der Paxlovid-Einsatz weniger gefragt.

Damit stelle sich die von Bund seinerzeit georderte Menge als deutlich zu hoch hinaus. Nachdem Hersteller Pfizer Stabilitätsprüfungen durchgeführt hatte, wurde die Haltbarkeit zweimal um je sechs Monate verlängert. Eine entsprechende Mitteilung des Konzerns wurde von der Verteidigung ebenfalls ins Verfahren eingeführt, als Beleg dafür, dass Paxlovid ein Ladenhüter war und ansonsten hätte vernichtet werden müssen.

Fast die Hälfte der von Bund gekauften Packen liegen laut BMG derzeit beim Großhandel in Quarantäne – mehr als 400.000 Stück. Wie viele Packungen zusätzlich in Apotheken sind, ist im Ministerium nicht bekannt. Da Pfizer keine weitere Verlängerung der Haltbarkeit plant, steht vermutlich die Vernichtung der Ware an. Darüber sei aber noch nicht entschieden, so die BMG-Beamtin.

Selbst Länder, denen von Deutschland die Spende von Paxlovid angeboten wurde, hatten zwischenzeitlich abgewinkt. Nur einmal sei eine kleinere Menge gespendet wurden, weniger als 5000 Packungen ging nach Kroatien.

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