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Expertenstreit
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Wie sinnvoll ist das Tragen einer Maske im Freien?

Es ist eine Begleiterscheinung der zunehmenden Unzufriedenheit mit den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, dass vermehrt das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in Frage gestellt wird. Diese Frage wird nicht nur unter von genervten Bürgern diskutiert. Auch unter Experten herrscht keineswegs eine einheitliche Meinung.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 29.04.2021  13:00 Uhr

Masken helfen – aber nicht immer

Wissenschaftlich griff das Thema bereits im Dezember auch ein ausführliches Positionspapier der Gesellschaft für Aerosolforschung auf. Die Empfehlungen dieser Experten sind differenziert, denn sie betrachten das Problem mit Fokus auf die Eigenschaften von Aerosolen.

Als mögliche Maßnahmen zur Verringerung der Ausbreitung von Aerosolpartikeln, die bei der Corona-Pandemie eine prominente Rolle bei der Verbreitung der Viren spielen, geben die Wissenschaftler wichtige Hinweise zum richtigen und sinnvollen Einsatz von Maßnahmen wie Lüften, dem Einsatz von Luftreinigern und Lüftungsanlagen sowie dem Tragen von Masken.

Masken helfen, einen Teil der ausgeatmeten Partikel, und damit auch der Viren zu filtern. Dadurch sinkt die Konzentration und somit auch das Infektionsrisiko der Partikel in einem Raum. Allerdings ist zu beachten, dass die ausgeatmeten Aerosolpartikel nur solange von einfachen Masken effizient zurückgehalten werden können, solange sie durch anhaftende Feuchtigkeit relativ groß sind. Da diese Partikel aber mit längerer Verweilzeit in der Raumluft schrumpfen, sind einfache Mund-Nasen-Bedeckungen für den Selbstschutz weniger effizient.

Hierfür sind medizinische Masken zum Beispiel der Klassen FFP2, N95 oder KN95 erforderlich, die auch für feine Partikel eine hohe Abscheidung zeigen. Diese sind sowohl für den Selbst- als auch den Fremdschutz effizient, sofern sie über kein Ausatemventil verfügen. Masken mit Ausatemventil dienen hingegen nur dem Selbstschutz und widersprechen daher dem Solidaritätskonzept, Mitmenschen durch kollektives Maskentragen zu schützen.

Gesichtsvisiere und Scheiben sind weitgehend nutzlos

Gesichtsvisiere und Plexiglasscheiben dienen im Wesentlichen als Spuck- und Spritzschutz gegenüber großen Tröpfchen. Gesichtsvisiere, die ohne zusätzliche Verwendung von Masken eingesetzt werden, sind hinsichtlich Aerosolpartikeln weitgehend nutzlos, da die Luft mit Partikeln ungefiltert um die Visiere herumströmt.

Ebenfalls weitgehend unwirksam gegen die Aerosolverbreitung in Innenräumen sind mobile oder fest installierte Plexiglasbarrieren. Diese können nur kurzfristig die kleinräumige Ausbreitung eines Aerosols, zum Beispiel im Kassenbereich eines Supermarkts oder am HV-Tisch der Apotheke, verhindern, bieten aber längerfristig keinen Schutz.

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