| Daniela Hüttemann |
| 11.05.2026 16:20 Uhr |
Eine klare Kommunikation funktioniert, wenn man selbst weiß, was man will und es einfach und eindeutig ausdrückt, verdeutlichte Rhetorikexperte René Borbonus. / © Apothekerkammer Niedersachsen/Ole Spata
»Jedes Jahr sterben mehrere hundert Menschen an schlechter Kommunikation – von Arzt zu Patient, von Internist zu Chirurg«, verdeutlichte Rhetorikexperte René Borbonus bei der Feier zum 125-jährigen Jubiläum der Apothekerkammer Niedersachsen vergangenen Freitag in Hannover. Und auch psychische Schäden können entstehen, wenn wir nicht gut miteinander kommunizieren. Für mehr Klarheit sind drei Schritte nötig: Klarheit für mich, Klarheit für dich, Klarheit für uns.
Der erste Schritt ist also, erst einmal Klarheit für sich selbst zu schaffen. »Klarheit entsteht immer in der Stille«, so Borbonus. Heute fehle uns jedoch oft der Leerlauf, beziehungsweise füllten wir ihn sofort. Statt zum Beispiel direkt beim Warten auf dem Bahnsteig das Smartphone herauszuholen, plädierte er dafür, die Zeit zu nutzen, um seine Gedanken schweifen zu lassen. »Wir schütteln unseren Geist die ganze Zeit wie eine Schneekugel.« Erst in der Ruhe wird das Bild wieder klar. Dasselbe gelte für die Gedanken im Kopf. »Wenn wir nichts tun, fangen wir an nachzudenken – das schafft Klarheit.«
Auch die Konfrontation mit der Endlichkeit des menschlichen Lebens helfe, Klarheit zu schaffen, Prioritäten zu setzen und sich nicht über Kleinigkeiten zu ärgern (memento mori). »Im Angesicht des Todes blicken wir durch – immer«, betonte Borbonus. Die aufgeräumtesten Gespräche würden oft auf Beerdigungen stattfinden.
Kurzweilig und fesselnd (und klar strukturiert) war Borbonus‘ Vortrag. / © Apothekerkammer Niedersachsen/Ole Spata
Hat man nun innere Klarheit gefunden, ist die Frage, wie man seine Gedanken und Wünsche entsprechend kommuniziert. Borbonus riet zur KESS-Regel:
René Borbonus / © Apothekerkammer Niedersachsen/Ole Spata
Als »Feinde der Klarheit« in der Kommunikation bezeichnete der Redner »Etikettierungen« und Euphemismen. Wer den anderen sofort in eine Schublade stecke, ersticke jede Debatte im Keim. Das sei heute in der Gesellschaft leider immer mehr der Fall, Stichwort Migration oder Corona-Impfungen. Es gibt kaum noch Raum für einen differenzierten Austausch, wenn man direkt vom Gegenüber als »Schwurbler« oder »Impf-Schaf« eingestuft wird.
Auch von Beschönigungen (Euphemismen) hält Borbonus nichts, zum Beispiel, wenn ein Arzt oder eine Ärztin dem Patienten oder der Patientin eine Diagnose mitteilt. »Klarheit kann schmerzhaft sein und einem den Boden unter den Füßen wegziehen. Aber darüber kommt man auch ins Handeln.«
Unter dem Punkt »Klarheit von uns« hatte Borbonus drei weitere rhetorische Tipps: Keine Fragen zu stellen, wo man eine Aussage machen müsste (den Mitarbeitenden nicht fragen, ob er dies oder jenes erledigen möchte, sondern die Aufgabe konkret auftragen), ein »Nein« nicht zu begründen (manchmal reden und diskutieren wir auch zu viel) und Drohungen nicht mit Konsequenzen zu verwechseln. Eine Konsequenz folgt logischerweise aus einem bestimmten Verhalten, während eine Drohung oft nicht umsetzbar sei.
Bei allen Tipps zur Verbesserung der Kommunikation riet Borbonus zum Abschluss dazu, nicht dem Perfektionismus zu verfallen. Das könne auch Aggressionen erzeugen. »Wir brauchen wieder eine positive Stimmung«, auch bezogen auf das ganze Land. Große Probleme habe es stets gegeben, die wir bislang immer lösen konnten. Borbonus nannte die Kubakrise, das Waldsterben und das Ozonloch als Beispiele.
Er glaubt, dass die Stimmung im Land an jedem einzelnen von uns hängt und plädiert dafür, aktiv nach positiven Nachrichten zu suchen und einen Grundoptimismus zu behalten. »Die Welt geht nicht unter, wenn wir etwas dagegen tun – und dafür braucht es gute Stimmung.«