| Laura Rudolph |
| 13.03.2026 18:00 Uhr |
Nach Krebs ist vieles anders – doch ein gesundes und gutes Leben ist wieder möglich, betonte eine Expertin beim Krebskongress. / © Getty Images/Westend61
Erfreulicherweise sind die Überlebensraten bei Krebs in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich gestiegen. Daten aus den USA zeigen, dass dort rund die Hälfte der Krebspatienten zehn Jahre nach der Krebsdiagnose noch lebt, und immerhin 22 Prozent sogar 20 Jahre. Für Deutschland stehen aktuell nur Daten zur 10-Jahres-Überlebensrate zur Verfügung. Wie das Zentrum für Krebsregisterdaten (ZfKD) des Robert-Koch-Instituts im jüngsten Bericht »Krebs in Deutschland« schreibt, beträgt diese etwa 46 Prozent für Frauen und 37 Prozent für Männer.
Während die Mortalität sinkt, erkranken gleichzeitig immer mehr Menschen an Krebs, auch zunehmend jüngere unter 50 Jahren. Die Folge: Die Zahl der Menschen, die mit und nach Krebs leben, wächst. In Deutschland sind es knapp fünf Millionen, in der EU mehr als 22 Millionen. Sie werden auch als Cancer Survivor bezeichnet.
Dieser Begriff führt jedoch häufig zu Missverständnissen: Nach der Definition des US‑amerikanischen National Cancer Institute gilt jede Person ab dem Zeitpunkt einer Krebsdiagnose bis zum Lebensende als Cancer Survivor – unabhängig davon, ob sie aktuell behandelt wird, in Remission ist, chronisch mit Krebs lebt oder als geheilt gilt. Wie viele Menschen tatsächlich als geheilt gelten, wird bislang nicht systematisch erfasst.
Doch was bedeutet es konkret, mit und nach Krebs zu leben? Wie vielfältig die Herausforderungen sind, mit denen Menschen nach einer Krebsdiagnose im Alltag leben müssen – und dass körperliche, seelische, berufliche, finanzielle und soziale Auswirkungen ein Leben lang fortbestehen können –, wurde in der Plenarsitzung »Cancer Survivorship – aktueller Stand und Zukunftsperspektiven« beim Deutschen Krebskongress im Februar in Berlin deutlich.
So leben viele Betroffene mit körperlichen Spätfolgen ihrer Erkrankung oder Therapie. »Was wir immer wieder sehen, sind Fatigue, Schmerzen, Schlafstörungen und eine geringere psychosoziale Funktionsfähigkeit«, beschreibt Professor Dr. Anja Mehnert-Theuerkauf vom Universitätsklinikum Leipzig. Die Liste der möglichen Spätfolgen sei jedoch weitaus länger und umfasse zum Beispiel auch die chemotherapieinduzierte Polyneuropathie, Unfruchtbarkeit oder kognitive Einschränkungen. Eine Befragung des Klinischen Krebsregisters Leipzig habe gezeigt, dass Krebsüberlebende im Schnitt fünf Komorbiditäten aufweisen, knapp ein Viertel sogar mehr als sieben.
Außerdem tragen viele (ehemalige) Krebspatienten – im Gesamtdurchschnitt knapp ein Drittel – mindestens eine psychische Beeinträchtigung davon. Zu den häufigsten Erkrankungen zählen Angst- und Anpassungsstörungen sowie Depressionen. »Von den Unter-45-Jährigen leiden sogar knapp 47 Prozent an einer oder mehreren psychischen Störungen. Das zeigt die hohe Belastung gerade bei jungen Menschen«, verdeutlichte Mehnert-Theuerkauf. Ein nicht zu unterschätzender Faktor sei außerdem der sozioökonomische Status (SES). Menschen mit niedrigerem SES seien tendenziell sowohl körperlich als auch psychisch stärker durch Krebs belastet als Menschen mit höherem SES.