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Anti-Tabak-Konferenz

WHO will E-Zigaretten & Co. stärker regulieren

Mit scharfer Kritik an der Tabakindustrie hat in Genf die Anti-Tabak-Konferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) begonnen. Die WHO dringt auch auf bessere Regulierung von E-Zigaretten.
dpa
01.10.2018  15:32 Uhr

Bis Samstag beraten Vertreter aus 137 der 181 Unterzeichner der Anti-Tabak-Konvention über neue Strategien gegen das Rauchen. «Mit ihren astronomischen Budgets setzt die Tabakindustrie ihre wütenden Versuche fort, die Umsetzung unseres Vertrages zu unterlaufen», warnte die Chefin des Sekretariats der Konvention, Vera Luiza da Costa e Silva. Beispiele nannte sie nicht. Tabakfirmen veranstalten parallel zur WHO-Konferenz Diskussionen in Genf.

WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus lobte die Anti-Tabak-Konvention als eine der weltweit besten Waffen zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit. «Wir retten Leben», sagte er. Die Konvention verlangt unter anderem Rauchverbote in öffentlichen Räumen, hohe Steuern auf Tabakprodukte und drastische Warnhinweise auf Zigarettenpackungen.

Alternativen zu herkömmlichen Zigaretten wie E-Zigaretten und Tabakerhitzer sind weltweit auf dem Vormarsch. Das geht aus einem Bericht hervor, den die WHO zum Auftakt der Konferenz veröffentlichte. WHO und die Industrie streiten über den Umgang damit: Während die WHO diese Produkte als gesundheitsschädlich deklariert und eine klare Regulierung durch Gesundheitsbehörden fordert, preist die Industrie sie als gesündere Rauchalternativen an.

Nach Angaben der WHO sterben jedes Jahr sieben Millionen Menschen durch Tabakkonsum. Vor zwei Jahren gab es in der Hälfte der Länder elektronische Geräte zum Verdampfen von Nikotin- und anderen Flüssigkeiten, heißt es in dem Bericht, in diesem Jahr bereits in 56 Prozent. Dazu gehören E-Zigaretten. Der Markt für diese Geräte umfasste nach dem Bericht 2016 etwa 8,6 Milliarden US-Dollar. 2023 dürften es 26,8 Milliarden Dollar sein.

Rauchfreien Tabak gab es vor zwei Jahren in 54 Prozent der Länder, heute in 65. Dazu gehören Schnupf- und Oraltabak, der unter die Lippe geschoben wird. Relativ neu auf dem Markt sind Produkte, bei denen Tabak erhitzt, aber nicht verbrannt wird. Dabei entstehen nach Angaben der Tabakindustrie deutlich weniger gesundheitsschädliche Stoffe. Kaum die Hälfte der Länder hat Vorschriften für die elektronischen Geräte und andere neue Tabakprodukte, so der Bericht. Hier sieht die WHO großen Handlungsbedarf.

Bei herkömmlichen Zigaretten sind die Länder auf gutem Weg, hieß es. In 95 Prozent der Flugzeuge ist das Rauchen verboten, in 87 Prozent der öffentlichen Verkehrsmittel und 55 Prozent der Restaurants. Fast drei Viertel der Vertragsstaaten haben Tabakwerbung und -sponsoring weitgehend verboten. In 85 Prozent der Länder ist es untersagt, Zigarettenmarken etwa in Filmen zu platzieren und 73 Prozent verbieten es, Raucher zu zeigen. In 60 Prozent dürfen Zigaretten auch an Verkaufsständen nicht mehr offen gezeigt werden.

Trotzdem: Das erklärte Ziel, die Zahl der Raucher von 2010 bis 2025 um 25 Prozent zu senken, schaffen nach derzeitigem Stand nur 10 Prozent der Länder mit mittleren und hohen Einkommen, bei den ärmeren Ländern höchstens 2 Prozent, heißt es in dem Bericht.

Foto: Fotolia/REDPIXEL

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