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Mückenarten in Deutschland
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Wer sticht denn da?

Durch Globalisierung und Klimawandel breiten sich zunehmend gebietsfremde Stechmücken in Deutschland aus. Welche Gesundheitsgefahr von ihnen ausgeht und wie man vorbeugen kann, erklärt Experte Dr. Helge Kampen im Gespräch mit der PZ.
AutorKontaktLaura Rudolph
Datum 29.07.2022  18:00 Uhr

Stechmücken mit Bedacht bekämpfen

Wie lässt sich Stichen und damit gefährlichen Infektionen vorbeugen? Die effektivste Maßnahme, um Stechmücken zu bekämpfen, sei es, deren Vermehrung zu unterbinden, wie Kampen erklärt. In Siedlungsbereichen legen Stechmücken ihre Eier in künstliche, stehende Gewässer. Folgende Maßnahmen helfen, Brutplätze in Haus- und Hofnähe zu eliminieren:

  • Sämtliche kleinere Wasserquellen wie Regentonnen, leere Blumentöpfe und Co. abdecken
  • Alternativ Wasser mindestens einmal pro Woche austauschen
  • Abgestandenes Wasser zum Gießen verwenden: Larven können sich nur in stehendem Wasser entwickeln. Auf dem Erdboden sterben sie ab. Nicht in den Gulli kippen – dort überleben Larven.

Sind die Mücken bereits aus den Larven geschlüpft, halten folgende Maßnahmen die Blutsauger fern:

  • Mückenschutznetze an Fenstern, Türen und über dem Bett anbringen
  • Bei längerer Exposition, etwa an langen Sommerabenden im Freien, Repellenzien auf unbedeckte Haut auftragen
  • Mückenspiralen oder Kaffeepulver abbrennen: Die Mücken mögen die entstehenden Dämpfe nicht.
  • In Hochphasen der Stechmücken den Aufenthalt im Freien reduzieren

Eine effektive, aber gründlich abzuwägende Bekämpfungsmethode ist der Einsatz eines Insektenschutzmittels, das aus einem Protein besteht, das durch das Bakterium Bacillus thuringiensis israelensis (BTI) produziert wird. BTI zerstört die Darmwand von Mückenlarven und tötet diese ab. Das Mittel kommt weltweit zum Einsatz. Es sollte sich allerdings möglichst auf den Einsatz in künstlichen Wasserquellen in besiedelten Gebieten beschränken, wie Kampen erklärt. BTI gibt es beispielsweise in Form einer Tablette, die man in die Regentonne werfen kann. Das sei unproblematisch, so Kampen, denn die Regentonne stelle im Gegensatz zu natürlichen Gewässern kein Ökosystem dar.

In natürlichen Gewässern dagegen bleibt ein BTI-Einsatz nicht ohne ökologische Folgen und sollte daher gut überlegt sein. Mückenlarven sind eine wichtige Nahrungsquelle für andere Tiere. Amphibien, andere Insekten und Fische fressen die Larven, wohingegen etwa Vögel und Fledermäuse ausgewachsene Stechmücken verspeisen. Ein völliges Ausrotten ist daher nicht erstrebenswert.

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