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AOK-Auswertung

Weniger Schlaganfall-Patienten, mehr kritische Fälle zu Corona-Beginn

In den Kliniken sind im Corona-Krisenmodus im Frühjahr viel weniger Schlaganfall-Patienten behandelt worden, dabei gab es jedoch mehr kritische Verläufe, so eine Auswertung der AOK. 
dpa
25.11.2020  12:04 Uhr

Trotz insgesamt deutlicher Rückgänge der Fälle in den ersten drei Wochen des Lockdowns im Frühjahr stieg demnach die Zahl der Patienten, die binnen 30 Tagen nach einem Hirninfarkt oder einer Hirnblutung starben, auf 740. Im Vorjahreszeitraum seien es 714 verstorbene Schlaganfall-Patienten gewesen. Basis sind jeweils Abrechnungsdaten von AOK-Versicherten zwischen 16. März und 5. April. »Wir sehen bei diesen Patienten nicht nur einen Anstieg des relativen Anteils der Todesfälle, auch die absolute Zahl der verstorbenen AOK-Patienten ist gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019 gestiegen – und das, obwohl weniger Patienten in den Kliniken angekommen sind«, berichtet Jürgen Klauber, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts (WIdO) der AOK.

Um Kapazitäten für Corona-Patienten frei zu halten, hatten Bund und Länder dazu aufgefordert, ab 16. März alle planbaren Operationen, Aufnahmen und Eingriffe in Kliniken bis auf weiteres auszusetzen. Laut der Studie wurden nun zwischen Mitte März und Anfang April im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 15 Prozent weniger Patienten mit Schlaganfällen und 28 Prozent weniger mit Herzinfarkt behandelt. WIdO-Geschäftsführer Jürgen Klauber erläuterte, Angst vor einer Corona-Infektion könnte gerade Patienten mit leichteren Beschwerden davon abgehalten haben, sich ins Krankenhaus zu begeben. «Diese Sorge muss den Patienten genommen werden, denn bei der Behandlung von Herzinfarkt und Schlaganfall zählt wirklich jede Minute.»

Die Analyse ergab demnach auch, dass die Notfallversorgung in der Frühphase der Pandemie funktioniert habe und Prozesse teils sogar schneller liefen. Wichtige, zeitkritische Behandlungen etwa zum Öffnen verschlossener Blutgefäße seien häufiger bereits am Tag der Klinikeinweisung vorgenommen worden. Hintergrund seien möglicherweise bessere Anfahrtbedingungen für den Rettungsdienst in der ersten Lockdown-Phase, aber auch frei gewordene Kapazitäten für solche dringlichen Eingriffe wegen der Absage anderer planbarer OPs.

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