| Jennifer Evans |
| 28.08.2026 11:00 Uhr |
Heilend und stärkend: Junge Mädchen versprechen sich von Gesichtsmasken mit Periodenblut ein schönes Hautbild. / © Getty Images/Yulia Reznikov
Auf TikTok und Instagram schmieren sich Influencerinnen Menstruationsblut ins Gesicht, lächeln in die Kamera und versprechen schönere Haut und spirituelle Reinigung. Unklar sei, wie viel Blut nötig ist und wie lange es einwirken soll, berichtet Dipa Kamdar. Sie ist Außerordentliche Pharmazieprofessorin an der Londoner Kingston University und beschreibt den Schönheitstrend auf der Wissenschaftsplattform »The Conversation«.
Fest steht: Der Trend trifft einen Nerv, wie die Milliarden Aufrufe unter Hashtags wie #periodfacemask zeigen. Die Faszination liegt wohl irgendwo zwischen Körperpositivität, Provokation und dem ewigen Wunsch nach der magischen Hautpflegeformel. Während die Stars im Netz von dem Ritual schwärmen, runzeln Mediziner die Stirn.
Tatsächlich enthält Menstruationsblut interessante Komponenten – darunter Stammzellen, Proteine und bioaktive Moleküle. Eine Studie im biologischen Fachblatt »FASEB Journal« hatte demnach bereits vor einiger Zeit ergeben, dass aus Menstruationsflüssigkeit gewonnenes Plasma die Wundheilung verbessern kann. Innerhalb von 24 Stunden waren behandelte Wunden vollständig geschlossen, während normales Blutplasma nur rund 40 Prozent schaffte. Man vermutet, dass diese Regenerationskraft mit denselben Substanzen zusammenhängt, die die Gebärmutterschleimhaut jeden Monat neu aufbauen.
Im Gegensatz zu professionellen Verfahren wie dem sogenannten »Vampir Facial«, bei dem unter sterilen Bedingungen thrombozytenreiches Plasma gewonnen und gezielt ins Gesicht injiziert wird, ist Menstruationsblut natürlichen Ursprungs. Auf seinem Weg durch den Vaginalkanal kann es Bakterien, Pilze und im schlimmsten Fall Krankheitserreger aufnehmen. Dermatologen warnen deshalb vor Infektionsrisiken – besonders, wenn das Blut auf gereizte Haut oder Mikroläsionen trifft.
Die medizinische Forschung arbeitet längst daran, die potenziell hilfreichen Bestandteile der Menstruationsflüssigkeit synthetisch und sicher nutzbar zu machen. Während MenSCs, die aus Menstruationsblut gewonnenen Stammzellen, tatsächlich vielversprechend für die regenerative Medizin sind, etwa zur Behandlung chronischer Wunden oder zur Verlangsamung der lichtbedingten Hautalterung, bleibt das Auftragen von Menstruationsblut als Gesichtsmaske wohl ein Treatment ohne Wirknachweis.
Dennoch zeigt der Beauty-Trend, dass die erfolgreichen Inhalte rund um die Periode eine Art Gegenbewegung zu Scham und mangelnder Aufklärung zu sein scheinen. Die Ergebnisse decken sich mit einer Studie, die erstmals Inhalte und Qualität deutschsprachiger Menstruationsvideos auf YouTube, Instagram und TikTok untersuchte.
Dabei zeigte sich: YouTube bietet im Plattformvergleich die gehaltvollsten Beiträge. Auf Instagram dominiert laut Autorenteam hingegen die Darstellung als subjektives Erlebnis – teils negativ als persönliches Leiden, teils positiv als Ausdruck weiblicher Identität oder als Thema feministischen Aktivismus. Auf TikTok wiederum regen die kurzen Clips viele Jugendliche dazu an, ihre eigenen Erfahrungen zu teilen.
Auffällig ist die Herkunft der Inhalte: 42 Prozent der Produzentinnen und Produzenten sind Gesundheitslaien, nur 17 Prozent stammen von medizinischen Fachpersonen. Inhaltlich kreisen die Videos vor allem um das persönliche Menstruationserleben und den praktischen Umgang mit der Blutung.
Das Fazit der Studie: Gemessen an Qualitätskriterien evidenzbasierter Gesundheitsinformation bestehen deutliche Defizite. Die Forschenden sehen klaren Handlungsbedarf, um die Social-Media-Inhalte zu verbessern.