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Longevity-Ausstellung
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Was bedeutet gutes Altern?

Überall auf der Welt leben Menschen immer länger. Und alle wollen »gut altern«. Doch was heißt das? Wie sehr unsere Vorstellung vom Alter durch Umwelt, Kultur und Gesellschaft geprägt ist, zeigt aktuell eine Ausstellung in London.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 08.05.2026  08:00 Uhr

Wie erleben Menschen das Altern und profitieren sie tatsächlich vom Zugewinn an Lebenszeit? Dieser Frage widmet sich derzeit die »The Coming of Age«-Ausstellung in London. Sie beleuchtet das Thema aus historischer, wissenschaftlicher und künstlerischer Perspektive und zeigt, wie stark Vorstellungen von Alter kulturell geprägt sind.

Ein Beispiel ist die japanische Tradition, Hundertjährigen zum großen Geburtstag einen silbernen Sake-Becher zu schenken. Als die Regierung damit 1963 begann, waren es 153 Becher, bis 2014 wuchs die Zahl auf mehr 29.000 an. Inzwischen sind sie auch nicht mehr aus Silber, sondern aus Nickel. Das Werk veranschaulicht das Spannungsfeld zwischen Respekt und Ressourcen.

Drucke aus dem 17. bis 19. Jahrhundert erzählen von 172-jährigen Menschen, deren Alter eher Wunschdenken als Realität war. Andere hinterfragen lineare Lebensmodelle, wie ein Wiener Werk von 1820, das den Weg zweier Menschen von der Kindheit zur Ehe bis zum körperlichen Verfall nachzeichnet.

Zelebrieren von Zwischenmenschlichkeit

Gehstöcke, Krücken und Rollatoren symbolisieren zugleich Stütze und Gebrechlichkeit – von Daphne Wrights Skulptur »Zimmer« (Gehwagen) bis zum Spazierstock mit Totenschädelgriff, der einst Charles Darwin gehörte und bei jedem Schritt an Vergänglichkeit erinnert. Jacobus Vrels intimer Blick auf eine kranke Person im Bett soll die zeitlosen Erfahrungen von Pflegenden widerspiegeln. Die Stunden mit einem sterbenden Menschen ähneln sich über die Jahrhunderte und verbinden so damals und heute.

Schließlich zeigt die Ausstellung auch soziale Bewegungen, zu denen das »Japan’s Restaurant of Mistaken Orders« gehört. Es beschäftigt Menschen mit Demenz als Servicepersonal. Bestellungen mögen zwar »falsch ankommen«, doch das Projekt zelebriert die Freude an zwischenmenschlichen Beziehungen. Unvollkommenheit wird als die positive Kraft für sozialen Wandel dargestellt.

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