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Grippeimpfstoffe
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Wartelisten für Efluelda

Für Senioren ist in diesem Jahr erstmals Efluelda® bei der Grippeimpfung das Mittel der Wahl. Doch einigen Praxen fehlt derzeit das hochdosierte Vakzin. In der kommenden Woche soll freie Ware über den Großhandel in den Markt kommen. In Nordrhein geben die Hausärzte derweil den Apotheken die Schuld an vorübergehenden Engpässen.
AutorKontaktStephanie Schersch
Datum 15.10.2021  16:30 Uhr

Pokern gehört gewissermaßen zum Geschäft in jeder Grippesaison. Bereits im Frühjahr müssen Apotheken und Arztpraxen die Impfstoffe für den folgenden Herbst bestellen. Dabei müssen sie den Bedarf immer wieder auf eigenes Risiko kalkulieren. Wer zu viel ordert, bleibt auf Impfstoff sitzen und trägt den finanziellen Verlust weitgehend allein. Zu knappe Aufträge allerdings führen ebenfalls zu einem Problem. Denn kurzfristig lassen sich Grippeimpfstoffe nicht einfach nachproduzieren.

In diesem Herbst kommt eine weitere Herausforderung hinzu. Erstmals sollen Senioren ab 60 Jahren einen speziellen Hochdosis-Impfstoff bekommen, so sieht es eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission vor. Das neue Vakzin ist teuer und das finanzielle Risiko im Rahmen der Vorbestellung entsprechend groß. Viele Praxen haben den Impfstoff daher nur zögerlich oder aber gar nicht vorbestellt – und versuchen nun, kurzfristig an den Impfstoff zu kommen.

Nächste Woche kommt neue Ware

In einigen Apotheken stehen bereits Kunden auf Wartelisten für Efluelda® (Sanofi), das bislang einzige hochdosierte Präparat. Das berichtet etwa der Apothekerverband Hessen gegenüber der PZ. Doch noch ist keine freie Ware im Markt. So liefert Sanofi noch bis Ende dieser Woche nur vorbestellte Impfstoffe aus. Ab der kommenden Woche (Kalenderwoche 42) sollen Apotheken dann aber weitere Dosen über den Großhandel ordern und Nachbestellungen tätigen können, wie der Hersteller jetzt angekündigt hat. »Dies gilt sowohl für 10er- als auch für 1er-Packungen.«

Insgesamt sollen 10 Millionen Dosen Efluelda für Deutschland zur Verfügung stehen, das hatte Sanofi bereits im August erklärt und Mitte September mit der Auslieferung begonnen. Damit gibt der Hersteller exakt die Menge in den Markt, die das Bundesministerium für Gesundheit als Bedarf für die Impfwilligen in der Gruppe der über 60-Jährigen kalkuliert.

Trotz vereinzelter Engpässe ist die neue Grippesaison vergleichsweise unkompliziert angelaufen. Im vergangenen Jahr hatten Impfstoffe gleich zu Herbstbeginn in weiten Teilen Deutschlands gefehlt und für Ärger in vielen Praxen und Offizinen gesorgt. Hintergrund war neben einer ungewöhnlich hohen Nachfrage auch der schleppende Zufluss von Grippeimpfstoffen in den Markt. In diesem Jahr hat das Paul-Ehrlich-Institut bereits jetzt fast alle 26 Millionen Dosen freigegeben, die bis spätestens Anfang November zur Verfügung stehen sollen.

Hausärzte sehen »künstliche Verknappung des Impfstoffs«

Deutlich angespannter scheint dafür in diesem Jahr das Verhältnis zwischen Ärzten und Apothekern zu sein. Seit Wochen laufen die Mediziner Sturm gegen die bundesweit zehn Modellprojekte, in deren Rahmen Apotheker Grippeimpfungen übernehmen. So hatte zuletzt etwa die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg als Reaktion auf die Pilotvorhaben eine Petition für das ärztliche Dispensierrecht ins Spiel gebracht. Der Hausärzteverband Nordrhein gibt den Apothekern nun auch die Schuld für vorübergehende Impfstoffengpässe. So sorgten die Apotheken »durch eigene Impfangebote für eine künstliche Verknappung des Impfstoffs und behindern die Impfungen in den Arztpraxen«, kritisiere Verbandschef Oliver Funken nach Angaben der Deutschen Presseagentur.

 

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