Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Pilzinfektionen
-
Wann eine Selbstbehandlung möglich ist – und wann nicht

Mykosen sind dieses Jahr Schwerpunkt der Pseudo Customer-Besuche in Apotheken. Insbesondere wird darauf wertgelegt, ob die Grenzen der Selbstmedikation eingehalten werden. Auf welche »Red Flags« das Apothekenteam achten sollte.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 06.02.2026  18:00 Uhr

»Heute hatte ich zwei Patienten mit Fußpilz, eine Frau mit Vaginalmykose und die Mutter eines Babys mit Windelsoor« – mehr brauchte Apotheker Daniel Finke, Osnabrück, gar nicht zur Häufigkeit und Relevanz von Pilzinfektionen im Alltag sagen. Ein Pseudo Customer sei nicht darunter gewesen, wobei das in diesem Jahr gar nicht so unwahrscheinlich ist. Bundesweit sind die fachlich versierten »Scheinkäufer« zu diesem Thema im Einsatz, weshalb nun viele Apothekerkammern entsprechende Fortbildungen anbieten. So war diese Woche auch ein Webinar der Apothekerkammer Hamburg zu dem Thema mit mehr als 200 Teilnehmenden gut besucht. 

»Pilzinfektionen sind nicht nur ein kosmetisches Problem, sie sind stets ein medizinisches Problem«, konstatierte Finke. Mykosen haben keine Selbstheilungstendenz. Daher müssen sie immer behandelt werden, damit es nicht noch schlimmer wird. Auch empfiehlt es sich, damit möglichst früh anzufangen. Das geht aber nicht in allen Fällen in der Selbstmedikation. Deren Grenzen sind in jedem OTC-Beratungsgespräch zu prüfen.

Referent Finke hatte für verschiedene Mykosen Fallbeispiele dabei, wie ein typisches Beratungsgespräch aussehen kann und bei welchen Aussagen oder Fragen des Kunden das Apothekenteam hellhörig werden sollte.

Erstinfektion: Keine Selbstmedikation ohne ärztliche Abklärung

Grundsätzlich gilt, immer erst abzuklären, ob es um den Kunden selbst oder vielleicht einen Angehörigen geht. Bei allen Pilzinfektionen ist zudem die Frage wichtig: »Hatten Sie das schon einmal oder waren Sie damit schon einmal beim Arzt?« Denn eine erstmals auftretende Mykose sollte immer von einem Arzt angeschaut werden, auch um mögliche andere Erkrankungen auszuschließen – bei einem Baby mit ausgeprägter Windeldermatitis zum Beispiel in Abgrenzung zu einer atopischen Dermatitis oder Psoriasis. Dazu ist in der Regel ein Hausarztbesuch ausreichend.

Typische Symptome einer topischen Mykose sind Juckreiz, Rötungen, Bläschenbildung, Schuppung und Rhagadenbildung. Prädisponierende Faktoren sind unter anderem Diabetes, Adipositas, periphere Neuropathien, Durchblutungsstörungen, Krebs, Hauterkrankungen, Infektionen und Immundefekte. Diese Grunderkrankungen können mitunter auch als »Kontraindikation« für eine Selbstbehandlung gelten. Arzneimittel können ebenfalls Risikofaktoren für eine Mykose sein, vor allem Antibiotika, Glucocorticoide, Zytostatika und Immunsuppressiva.

Mehr von Avoxa