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Schlagabtausch zum Versandhandel
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Von Therapiekompetenz und Päckchenpackern

Die Regierung will die Vorgaben für den Versandhandel verschärfen und Apotheken vor Ort stärker in die Primärversorgung einbinden. Wie sich die Reform auf das Verhältnis zwischen Apotheke und Versandhandel auswirken könnte, diskutierte ABDA-Vizepräsidentin Ina Lucas mit Redcare-Chef Olaf Heinrich.
AutorAlexander Müller
Datum 05.02.2026  14:18 Uhr

Die Honorarerhöhung ist im aktuellen Reformpaket noch nicht vorgesehen. Doch nach dem eindeutigen Versprechen von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) glaubt Lucas »zu 100 Prozent« daran, dass das Fixum auf 9,50 Euro angehoben wird. Das ist aus ihrer Sicht auch notwendig, damit die Apotheken in der Fläche die neuen Aufgaben übernehmen können, die die Regierung für sie vorsieht.

Redcare-Chef Heinrich würde sich über die Erhöhung des Fixums auch freuen, allerdings würde die Honorarerhöhung aus seiner Sicht nicht helfen, die strukturellen Probleme zu beheben. Ein Drittel der Apotheken sei unwirtschaftlich und könne auch mit 9,50 Euro nicht gerettet werden, sagte Heinrich beim BVDAK-Kooperationsgipfel. Er hält es aber auch für eine »politische Entscheidung«, wie viele Apotheken für die Versorgung notwendig sind.

Abgesehen von der noch fehlenden Honorarerhöhung sieht Lucas im Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) viele Ansätze, um die Apotheke vor Ort im Versorgungssystem zu stärken. In der Vergangenheit hätten die Apotheken zu wenig PR für die eigene Leistung gemacht, aber damit sei jetzt Schluss.

Ungefragte Beratung oder Therapiekompetenz

Heinrich findet es gut, dass sich die Apotheken »auf den Weg machen« wollen. Den Versand werde es aus seiner Sicht ergänzend geben. Der Redcare-Chef wollte den Vorwurf des Päckchenpackers dabei nicht im Raum stehen lassen. Kundinnen und Kunden könnten auch über digitale Kanäle intensiv – und manchmal auch diskreter - betreut werden als in der Apotheke vor Ort.

In der Diskussion wurde deutlich, dass Lucas für ein aktives Beratungsangebot steht, Heinrich dies nur auf Abruf bereitstellen will. Nicht allen sei die Beratung wichtig, sagte Heinrich. Lucas findet, dass es zur Aufgabe einer Apotheke gehört, die Therapiekompetenz zu stärken. Aber das sei den Versendern einfach zu teuer, die wollten lieber nur ihre Päckchen schicken.

Was den Versand betrifft, plant Ministerin Warken schärfere Vorgaben für die Bedingungen. Künftig sollen die Versender sicherstellen, dass ihre Logistiker Transportbedingungen garantieren, die die Wirksamkeit von Arzneimitteln nicht gefährden. Heinrich hält das für eine Phantomdiskussion. Seit zehn Jahren sorge man mit aktiven und passiven Kühlsystemen dafür, dass die Ware unversehrt beim Kunden ankomme.

Transportbedindungen im Versand

Auf Diskussionen über überhitzte Lieferwagen, Packstationen oder vor der Tür abgelegte Pakete wollte er sich nicht einlassen. Schließlich werde auch im Botendienst der Apotheke manchmal die Tüte an die Türklinke gehängt. »Wir machen auch Testkäufe«, gab Heinrich zu Protokoll. Lucas würde sich wünschen, dass die strengeren Vorgaben für den Versand künftig auch kontrolliert und Verstöße sanktioniert werden.

Das gilt auch für Verstöße gegen die Preisbindung. Die Reform sieht eine leichte Anpassung der Haftungsfrage bei der Paritätischen Stelle vor. Heinrich erwartet dennoch keine Angriffe auf das eigene Rabattsystem, das er für europarechtlich zulässig hält. Zu dieser Frage führte später beim BVDAK-Kooperationsgipfel noch Rechtsanwalt Morton Douglas aus.

Titel des Schlagabtauschs in München war »Die Apotheken im Spannungsfeld der Plattformen«. Heinrich wies auf die wachsenden Umsätze bei Amazon hin. Den Einstieg großer Drogerieketten in den Arzneimittelversand sieht Heinrich eher als Bedrohung für die Apotheke vor Ort. Lucas zeigte sich gewillt, den Kampf mit den neuen Anbietern aufzunehmen. Die Versorgung sei viel mehr als die reine Arzneimittelabgabe und die Apotheke der Zukunft werde eine zentrale Rolle in dieser Versorgung übernehmen.

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