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Nahrungsergänzungsmittel
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Von Influencer-Marketing bis zu Fehlinformationen

Für viele Verbraucher sind die Plattformen der sozialen Medien primäre Informationsquellen zu Gesundheit und Ernährung. Das nutzen auch Firmen, die Nahrungsergänzungsmittel anbieten – leider auch die unseriösen. Wie geht es besser?
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 11.11.2025  12:00 Uhr

Übertriebene Versprechen, verschwiegene Risiken

Problematisch ist auch, dass die Informationen nicht nur unvollständig, sondern bezogen auf Angaben zu Inhaltsstoffen, Dosierungen und Risiken oft auch regelhaft falsch sind. Zudem werden vielfach übertriebene Heilsversprechen (zum Beispiel Detox-, Anti-Aging-, Immunboosting-Effekte) vermittelt, die nicht selten gegen die EU-Health-Claims-Verordnung verstoßen.

Dies unterstreicht auch eine YouTube-Analyse zu Multinährstoffpräparaten. Bei 84 Prozent der Videos wurden keine potenziellen Risiken erwähnt. Zudem wurden 90 Prozent der Instagram-Werbeaussagen zu NEM als unzulässig eingestuft.

Gesundheitliche und psychosoziale Risiken

Dies ist bedenklich, da durch die mangelhaften Informationen nicht nur Fehlkäufe gefördert, sondern auch Gesundheitsrisiken in Kauf genommen werden. Denn durch die geringe Fachkenntnis werden vielfach Kompetenzen überschätzt und riskante Selbstmedikationsentscheidungen getroffen.

Beispielsweise konnte gezeigt werden, dass knapp 21 Prozent der Befragten unter Patienten, die an Akne litten, den Empfehlungen in den sozialen Medien folgten. Im Rahmen einer aktuellen Befragung unter 320 Patientinnen, die eine Brustkrebsdiagnose erhalten hatten, stieg der Anteil derer, die NEM einnahmen, von 20 Prozent vor der Diagnose auf fast 65 Prozent nach der Diagnose.

Trotz der Risiken bieten Informationen über soziale Medien auch Potenzial für eine evidenzbasierte Wissenschaftskommunikation. So könnten soziale Medien auch niedrigschwellig, visuell ansprechend und personalisiert Aufklärung über Nutzen und Risiken von NEM streuen, wie positive Beispiele zeigen. Inhalte mit Hashtags wie #dietpills vermitteln durchaus auch kritisch korrekte Botschaften. Und parasoziale Beziehungen lassen sich auch konstruktiv nutzen, etwa um gesundheitsförderliches Verhalten zu motivieren.

Empfohlene Gegenmaßnahmen

Die Autoren leiten aus der von ihnen beschriebenen Datenlage fünf zentrale Handlungsfelder ab:

  1. intensivere und interaktive Nutzung von sozialen Medien durch Fachgesellschaften und öffentliche Gesundheitseinrichtungen durch emotionale, ansprechende und leicht verständliche Kommunikation zu NEM
  2. Einführung eines Qualitätssiegels für evidenzbasierte Medfluencer
  3. systematisches, zeitnahes Korrigieren (Debunking) von Fehlinformationen durch professionelle Fact-Checking-Einheiten
  4. stärkere Qualifizierung und Motivation von Fachkräften zur aktiven sozial Media-Kommunikation
  5. Stärkung von Lebensmittelüberwachung und Verbraucherschutzbehörden hinsichtlich sozial Media-Aktivitäten

Zu fordern wäre nach Meinung der Forschenden politische Maßnahmen und Reformen bei den Algorithmen, um strukturelle Verzerrungen zu korrigieren. Auf eine freiwillige Selbstregulierung der Plattformen zu setzen, kann allerdings wohl nicht erwartet werden.

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