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Typ-1-Diabetes

Vollautomatische Pumpe verbessert Blutzucker

Noch in diesem Jahr soll in Europa das erste hybride Closed-Loop-System für Diabetiker auf den Markt kommen. Anders als bei herkömmlichen Insulinpumpen werden dabei die Blutzuckermessungen und entsprechenden Insulingaben weitestgehend automatisch gesteuert.
Daniela Hüttemann
14.11.2018
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Die Digitalisierung erleichtert zunehmend das Leben von Patienten mit Diabetes, insbesondere vom Typ 1. »Inzwischen nutzen viele Patienten in ihrem Alltag digitale Unterstützung in Form spezieller Diabetes-Apps sowie technischer Innovationen wie Insulinpumpen und Systeme zur kontinuierlichen Glucosemessung«, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Diabetes, bei deren Herbsttagung die Digitalisierung der Diabetestherapie im Mittelpunkt stand.

Viele Typ-1-Diabetiker benutzen bereits Insulinpumpen, da sich ihr Blutzuckerspiegel so oft besser unter Kontrolle bringen lässt. Dabei tragen sie auch einen Sensor zur Blutzuckermessung im Unterhautfettgewebe. »Der Blutzucker wird regelmäßig automatisch gemessen und die Patienten können daraufhin die richtige Insulindosis über die Insulinpumpe abgeben«, erklärt DDG-Vorstandsmitglied Dr.  Matthias Kaltheuner.

Durch ein sogenanntes Closed-Loop-System, auch Automatisiertes Insulinabgabe-System (AID) genannt, soll die Insulintherapie für die Patienten demnächst noch einfacher und besser werden. Das System vernetzt die Insulinpumpe mit dem Sensor zur kontinuierlichen Glucosemessung, einem Blutzuckermessgerät zur Kalibrierung des Sensors sowie einem Computerprogramm, das die automatische Steuerung der Insulinpumpe übernimmt. »Das Zusammenwirken aller Technologien ermöglicht eine automatisierte Insulinabgabe«, so Tagungspräsident Professor Dr. Jens Aberle. »Den Patienten bleibt damit die Berechnung der benötigten Insulindosis erspart. Außerdem wird die Stoffwechsellage der Patienten verbessert und die Gefahr von Über- und Unterzuckerungen vermindert.«

Das konnte in einer kürzlich veröffentlichten Vergleichsstudie gezeigt werden. An der Studie nahmen 86 Patienten mit Typ-1-Diabetes im Alter von sechs bis 65 Jahren teil, die trotz der Verwendung einer Insulinpumpe suboptimale Blutzuckerwerte aufwiesen. Die eine Hälfte der Probanden wurde mit Insulinpumpe und mit einem Gerät zur kontinuierlichen Blutzuckermessung ausgestattet und musste die nötigen Insulindosen selbst bestimmen und injizieren. Die andere Hälfte erhielt das Closed-Loop-System FlorenceM. 

Das 670G-System von Medtronic besteht aus einem kontinuierlichen Glucose-Monitoring-Transmitter mit einem Sensor, einer Pumpe und einem Smartphone, auf dem ein Kontrollalgorithmus läuft. Alle zehn Minuten bekommt der Algorithmus die Daten des Sensors und der Insulinpumpe und kalkuliert daraufhin die benötigte Insulinmenge.

Bei den Patienten mit Closed-Loop-System blieben die Blutzuckerwerte während des zwölfwöchigen Studienzeitraums deutlich häufiger im Zielbereich als in der Vergleichsgruppe (65 versus 54 Prozent), vor allem nachts, berichtete die Forschungsgruppe um Dr. Martin Tauschmann von der Universität Cambridge  in »The Lancet«. Auch die erreichte Reduzierung des Langzeitblutzuckerwerts HbA1c war signifikant größer. Dabei waren die benötigten täglichen Insulinmengen vergleichbar.

»Die technologischen Fortschritte in der Diabetestherapie stellen für die Betroffenen einen großen Mehrwert dar. Sie nehmen den Patienten lebensnotwendige Aufgaben ab und fördern somit die Lebensqualität«, betont DDG-Präsident Professor Dr. Dirk Müller-Wieland. Laut DDG soll das System ab diesem Herbst in ausgewählten EU-Ländern verfügbar sein. In Deutschland könne es noch etwas länger dauern, da der G-BA zunächst über die Kostenübernahme entscheiden muss, teilte die DDG der Pharmazeutischen Zeitung auf Nachfrage mit. Es gebe aber die berechtigte Hoffnung, dass dies im nächsten Jahr passiert. Zudem seien weitere automatisierte Insulinabgabe-Systeme in der Pipeline.

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