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Long/Post-Covid
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Vier Wirkstoffe off Label auf Kassenrezept

GKV-Versicherte mit Long/Post-Covid können zukünftig mit vier Wirkstoffen im Off-Label-Use therapiert werden. Das teilt der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) mit, der die Voraussetzungen für die Verordnungsfähigkeit dieser Wirkstoffe durch eine Ergänzung der Arzneimittel-Richtlinie geregelt hat.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 02.04.2026  14:24 Uhr

Bisher gibt es keine Arzneimittel, die für die Behandlung von Long/Post-Covid zugelassen sind. Grundlage der Beschlüsse des G-BA sind die Empfehlungen der Expertengruppe »Long Covid Off-Label-Use« beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Dieses Gremium hatte im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) geprüft, welche Wirkstoffe bei der Behandlung von Long/Post-Covid einen medizinischen Nutzen haben. Verordnungsfähig werden nun IvabradinMetforminAgomelatin und Vortioxetin.

Der If-Kanalblocker Ivabradin ist regulär bei Angina pectoris und chronischer Herzinsuffizienz zugelassen. Im Off-Label-Use kann Ivabradin nun eingesetzt werden zur Behandlung des postinfektiösen Posturalen orthostatischen Tachykardie-Syndroms (PoTS) bei Patienten mit Long/Post-Covid, die eine Therapie mit Betablockern nicht tolerieren oder für diese nicht geeignet sind.

Nummer zwei ist das bekannte Antidiabetikum Metformin. Im Off-Label-Use kann das Biguanid zukünftig zur Prophylaxe von Long/Post-Covid eingesetzt werden. Möglich ist das innerhalb von drei Tagen nach Diagnosestellung einer akuten SARS-CoV-2-Infektion bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 16 Jahren mit dem Risikofaktor »Übergewicht/Adipositas (BMI >25)«, die weniger als sieben Tage lang Covid-19-Symptome haben.

Zwei Antidepressiva bei Long/Post-Covid

Nummer drei ist Agomelatin, das zur Behandlung von Episoden einer Major Depression zugelassen ist. Im Off-Label-Use kann der Arzneistoff künftig eingesetzt werden, um eine Fatigue bei Long/Post-Covid und bei postinfektiöser Myalgischer Enzephalomyelitis/Chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS) zu behandeln.

Last, but not least Nummer vier: Vortioxetin, ein weiteres Antidepressivum zur Behandlung von Episoden einer Major Depression bei Erwachsenen. Im Off-Label-Use kann Vortioxetin eingesetzt werden, um bei Patienten mit Long/Post-Covid kognitive Beeinträchtigungen, zum Beispiel eine verringerte Aufmerksamkeit und Gedächtnisleistung, und/oder depressive Symptome zu behandeln.

Mit seiner raschen Reaktion auf die Empfehlungen der Expertengruppe beim BfArM habe der G-BA die Versorgung von Long-Covid-Betroffenen verbessert, so Professor Dr. Andreas Stallmach vom Universitätsklinikum Jena und Mitautor der S1-Leitlinie Long/Post-Covid gegenüber dem Science Media Center. »Der Schritt ist wichtig, aber klein. Effektive, kausale Behandlungen gibt es bisher trotz vieler Anstrengungen nicht; hier sind klug geplante klinische Studien in der Nationalen Dekade gegen postinfektiöse Langzeitfolgen notwendig.« Insofern müssten Betroffene und Ärzte mit den vorhandenen, jetzt etwas verbesserten Möglichkeiten erst einmal weiter auskommen.

Wie geht es nun weiter? Der G-BA legt die Beschlüsse dem BMG zur rechtlichen Prüfung vor. Sie treten nach Nichtbeanstandung und Bekanntmachung im Bundesanzeiger in Kraft.

Wichtig: Ärzte müssen bei Verordnungen im Off-Label-Use die jeweiligen wirkstoffbezogenen Regelungen unter anderem zur Dosierung und Behandlungsdauer beachten. Im Off-Label-Use verordnungsfähig sind zudem nur solche Arzneimittel, bei denen der pharmazeutische Unternehmer die Haftungsübernahme erklärt hat. Alle Details sind nach Inkrafttreten der Beschlüsse in Anlage VI der Arzneimittel-Richtlinie zu finden.

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