| Cornelia Dölger |
| 01.10.2026 15:00 Uhr |
Die erweiterte Standortklausel sei ein Versuch, die vielfältigen Herausforderungen für die Versorgung in den Blick zu nehmen, erklärt das Gremium. Sie knüpfe die Höhe des Herstellerabschlags grundsätzlich »an das Engagement am Standort Deutschland: an klinische Forschung, an Produktion, an Investitionen und an die Bedingungen, unter denen hier gearbeitet wird. Wer diese Beiträge leistet, wird geringer belastet«.
Es gehe dabei nicht darum, Bestehendes zu belohnen, sondern darum, Anreize zu setzen und Bewegung auszulösen. Ein Instrument für die Beantwortung aller Fragen der Arzneimittelversorgung sowie der Industrie- und Forschungspolitik könne die Klausel gleichwohl nicht sein.
Das sieht auch die Pharmabranche so. Zwar seien die Empfehlungen ein »wichtiger Schritt für den Pharma- und Produktionsstandort Deutschland«, allerdings gebe es weiteren Handlungsbedarf, teilen die großen Branchenverbände gemeinsam mit. Die Regelung verfolge den richtigen Ansatz, Industriepolitik und Gesundheitsversorgung stärker miteinander zu verknüpfen, heißt es etwa von Pharma Deutschland. Zu bedenken sei aber, dass die Klausel nicht zu Fortschritt führe, sondern im Erfolgsfall lediglich weitere Belastungen für die Unternehmen abwenden könne, betont Hauptgeschäftsführerin Dorothee Brakmann. »Unser Anspruch darf nicht nur darin bestehen, den Pharmastandort Deutschland lediglich auf dem Status quo zu halten.«
Gleichzeitig äußern sich der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) sowie der Verband der forschenden Pharmaunternehmen (vfa). BPI-Hauptgeschäftsführer Kai Joachimsen drängt auf strukturelle Verbesserungen; der Markt sei durch zahlreiche Preis- und Steuerungsinstrumente überreguliert. Gerade für mittelständische und familiengeführte Pharmaunternehmen müssten die Rahmenbedingungen verbessert werden, so Joachimsen.
vfa-Präsident Han Steutel sieht in den Plänen ein »wichtiges Signal«, das zeige: »Standortpolitik und Gesundheitspolitik können gemeinsam gedacht werden.« Nun gelte es, die Vorschläge zügig umzusetzen.
Die Standortklausel ersetze strukturelle Reformen nicht, heißt es übereinstimmend. Die angekündigte Pharma- und Medizintechnikstrategie der Bundesregierung könne aber einen entsprechenden Rahmen schaffen. Forschung, klinische Entwicklung, Produktion, Marktzugang und Versorgung müssten dabei stärker gemeinsam gedacht werden.
Die Pharma- und Medizintechnikstrategie soll möglichst noch in diesem Jahr konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für die beiden Branchen festlegen. Anschließend sollen die entsprechenden Gesetze auf den Weg gebracht werden. Konkrete Ergebnisse liegen bislang allerdings insbesondere in Form von Empfehlungen einzelner Arbeitsgruppen vor, eine Gesamtstrategie steht noch aus.