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Forschung
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Verzicht auf Tierversuche – wie ist der Stand der Dinge?

Mehr als eine Million Mäuse, Fische und Kaninchen werden immer noch jedes Jahr in Versuchen eingesetzt. Ist das noch zeitgemäß? Fragen und Antworten zum heutigen Internationaler Tag des Versuchstiers.
AutorKontaktdpa
AutorKontaktPZ
Datum 24.04.2025  08:00 Uhr

Ob es um Medikamente gegen Brustkrebs geht, um jährlich millionenfach eingesetzte Narkosemittel oder um Impfstoffe gegen Corona: Sie alle wurden mit Hilfe von Tierversuchen entwickelt. Doch die biomedizinische Forschung ohne Tiere entwickelt sich weiter, neue Hightech-Methoden kommen hinzu – was Forderungen lauter werden lässt, auf Tierversuche zu verzichten. Wo steht die Wissenschaft dazu heute? Ist ein Ausstieg aus der Forschung mit Tieren überhaupt vorstellbar?

»Forschung arbeitet zwangsläufig mit Modellen, so auch die biomedizinische Forschung«, erläutert Dr. Stefan Hippenstiel, Professor für Infektiologie und Pneumologie an der Charité in Berlin. In der Humanmedizin könne man bestimmte Dinge aus ethischen und praktischen Gründen nicht untersuchen und greife deswegen zum Tiermodell.

Roman Stilling von der Initiative »Tierversuche verstehen« ergänzt, dass es zwar Alternativen gebe wie Computer-Simulationen und 3D-Zellkulturen. Aber wenn es um das Zusammenspiel im Körper gehe, etwa die Erforschung von Nervensystem oder Immunsystem, dann stießen diese an Grenzen. »Diese Prozesse sind zum Großteil noch unverstanden, das muss man leider sagen.« Deswegen seien dafür Tierversuche nötig.

Gaby Neumann vom Verein »Ärzte ohne Tierversuche« hält dagegen: »Tierversuche sind eine sehr veraltete Methode.« Die Forschung tue sich schwer mit neuen Methoden, weil Tierversuche eine lange Tradition hätten und junge Forschende kaum in tierversuchsfreien Verfahren ausgebildet würden.

Wofür werden Versuchstiere heute noch eingesetzt und welche?

Die meisten Tiere werden für die Grundlagenforschung und angewandte Forschung genutzt, andere für Qualitätskontrolle und Giftigkeitsprüfungen. Das geht aus dem »Kompass Tierversuche« hervor. So wurden etwa die Sicherheit und Wirksamkeit der ersten mRNA-Impstoffe in Europa gegen das Coronavirus an Tieren überprüft.

Die Zahl der eingesetzten Tiere in Deutschland sinkt laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung seit einigen Jahren. 2023 waren es rund 2,13 Millionen Wirbeltiere und Kopffüßer. Mit Abstand am häufigsten waren es Mäuse (circa 1,64 Millionen), aber auch Zebrafische (142.000), Kaninchen (68.000), Haushühner (14.000) und Schweine (11.000).

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