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Forschung
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Verzicht auf Tierversuche – wie ist der Stand der Dinge?

Mehr als eine Million Mäuse, Fische und Kaninchen werden immer noch jedes Jahr in Versuchen eingesetzt. Ist das noch zeitgemäß? Fragen und Antworten zum heutigen Internationaler Tag des Versuchstiers.
AutorKontaktdpa
AutorKontaktPZ
Datum 24.04.2025  08:00 Uhr

Gibt es Bereiche, in denen Tierversuche verboten sind?

Ja, um Kosmetika und Waschmittel zu entwickeln, dürfen keine Tiere eingesetzt werden. »Die Leitidee ist: Wir wollen kein Tierleid für Luxus«, sagt Stilling. Allerdings können im Zuge des Arbeitsschutzes Tierversuche angeordnet werden. Auch ist es nicht zulässig, Tiere zu verwenden, um Waffen und Munition herzustellen und zu erproben. Das Gleiche gilt für Tabakerzeugnisse. Doch um die Gefahren, die davon ausgehen, zu erforschen, finden laut Neumann noch Tierversuche statt. So müssten Tiere bei Rauchversuchen stundenlang Zigarettenrauch einatmen.

Aktuell werden auch bestimmte Medikamententests, die sogenannten Kaninchen-Pyrogentests, zum 1. Juli komplett durch tierfreie Alternativen ersetzt. Kaninchen wurden bisher eingesetzt, um zu testen, ob Arzneimittel mit Substanzen verunreinigt sind, die Fieber auslösen können.

Wie werden Versuchstiere gehalten?

Mäuse etwa leben oft in einer Box mit Einstreu. Dazu bekommen sie ein Papierpaket mit Holzwolle und anderen Materialien, sodass sie ein Nest bauen können, ebenso eine Rolle und Spielmaterial. Kaninchen bekommen die Möglichkeit herumzuhoppeln. Die Haltungsbedingungen seien etwa bei Schweinen und Schafen in der Forschung besser als in der konventionellen Landwirtschaft, sagt Stilling von der Initiative »Tierversuche verstehen«. »Da wird sehr genau auf Hygiene und Fütterung geachtet.«

Neumann von »Ärzte ohne Tierversuche«, die Tierärztin ist, ergänzt, dass es zwar sehr um Hygiene und Praktikabilität gehe, aber die Lebensbedingungen nicht artgemäß seien. Forscher Hippenstiel sagt: »Niemand hat so ein hohes Interesse daran, dass es den Tieren gutgeht, wie die Forschenden, die die Tierversuche durchführen.« Denn sie seien auf eine gute Haltung angewiesen, damit es bei den Ergebnissen keine Verfälschungen gibt.

Hippenstiel ist auch Sprecher von Charité 3R, dessen Ziel darin besteht, die Umsetzung des 3R Prinzips in Forschung und Lehre an der Charité zu stärken, also Tierversuche zu ersetzen (Replace), die Anzahl der Versuchstiere zu reduzieren (Reduce) oder die Belastung für Versuchstiere zu mindern (Refine).

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