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Seltene Autoimmunerkrankung
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Verschiedene Ansätze bei NMOSD

Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen (NMOSD) sind seltene Autoimmunerkrankungen, die in Schüben verlaufen. Ihre Ähnlichkeit zur deutlich häufigeren Multiplen Sklerose (MS) erschwert die Diagnose. Diese ist aber wichtig, damit spezifische Therapeutika zum Einsatz kommen können.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 21.06.2022  07:00 Uhr

Drei zugelassene Antikörper

Bei der Veranstaltung in Berlin stand der neue, von Horizon entwickelte Antikörper Inebilizumab (Uplizna®) im Mittelpunkt, der seit Mai 2022 eine EU-Zulassung besitzt und demnächst auf den Markt kommen soll. Er richtet sich gegen CD19-positive B-Zellen und führt, als Monotherapie gegeben, zu deren Depletion. Da die CD19+-Zellen AQP4-IgG freisetzen, können so weitere Schübe verhindert werden. Dies konnte der Hersteller in der doppelblinden, placebokontrollierten Phase-II/III-Studie N-Momentum mit 230 Teilnehmern mit NMOSD zeigen (77 prozentige Reduktion des relativen Schubrisikos). Laut Horizon waren Harnwegsinfekte, Arthralgien sowie Kopf- und Rückenschmerzen die häufigsten Nebenwirkungen; diese seien vergleichbar mit Placebo gewesen.

Inebilizumab ist nicht der erste zugelassene Anti-CD19-Antikörper – seit vergangenem Jahr ist mit Tafasitamab (Minjuvi®) bereits ein anderer verfügbar –, aber der erste in dieser Indikation. Als weitere Biologika bei NMOSD stehen Satralizumab (Enspryng®) und Eculizumab (Soliris®) zur Verfügung. Satralizumab richtet sich gegen Interleukin-6, das unter anderem für eine B-Zell-Aktivierung sorgt und die Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke für AQP4-IgG erhöht. Eculizumab schaltet das Komplementprotein C5 aus, was letztlich ebenfalls zu einer Funktionsverbesserung der Blut-Hirn-Schranke führt und damit einen besseren Schutz der Astrozyten vor dem Angriff durch die AQP4-IgG bewirkt.

Ob einer dieser Ansätze bei bestimmten Subpopulationen von NMOSD-Patienten Vorteile bietet, konnte Aktas in Berlin nicht sagen. Klar sei jedenfalls, dass eine Kombination von Inebilizumab mit anderen Arzneimitteln nicht vorgesehen sei.

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