Vom niederländischen Standort Heerlen aus richtete sich Disapos Kerngeschäft vor allem an den deutschen Markt. / © imago images/Wolfgang Zwanzger
Für die auf den deutschen Markt ausgerichtete disapo.de Apotheke B.V. mit Sitz in Heerlen wurde Mitte September 2026 das Insolvenzverfahren eröffnet. Kurz darauf sei auch die Disapo BA B.V., in der Teile des China-Geschäfts gebündelt waren, gefolgt, wie das Branchenmagazin »Retail News« berichtete. Das zuständige Gericht in Limburg habe das Unternehmen für zahlungsunfähig erklärt. Im Kerngeschäft seien zuletzt rund 35 Beschäftigte tätig gewesen.
Demnach sei der operative Betrieb weitgehend zum Erliegen gekommen. Bestellungen für Kundinnen und Kunden aus Deutschland sind nicht mehr möglich. Zwar wird der Online-Shop noch angezeigt, aber bei jedem Produkt ist zu lesen: »Dieser Artikel ist zurzeit nicht erhältlich«.
Vom niederländischen Standort Heerlen aus richtete sich Disapos Kerngeschäft vor allem an den deutschen Markt. Angeboten wurden sowohl verschreibungspflichtige als auch frei verkäufliche Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel. Darüber hinaus war das Unternehmen im China-Geschäft aktiv und verfügte dort über eine eigene Gesellschaft. Nach Medienberichten wurde aus Heerlen auch Milchpulver nach China geliefert.
Hinter der Nachfrage nach europäischen Milchprodukten stand unter anderem das in China über Jahre gewachsene Misstrauen gegenüber einheimischer Säuglingsnahrung. Dieses wurde insbesondere durch den Melamin-Skandal von 2008 geprägt, bei dem mit Melamin versetzte Milchprodukte zu schweren Erkrankungen und Todesfällen führten.
Im Jahr 2022 hatte Douglas Disapo im Rahmen der damaligen Strategie des Konzerns, in den Apothekenmarkt einzutreten und Beauty und Gesundheit zusammenzuführen, übernommen. Mit seiner neuen Wachstumsstrategie »Let it Bloom – Douglas 2026« hatte Douglas jedoch Anfang 2023 beschlossen, den Fokus in stationären Geschäften und Online-Shops wieder auf das robuste und stark wachsende Kerngeschäft Premium-Beauty zu legen. In diesem Zug habe Douglas verschiedene strategische Optionen für sein Online-Apothekengeschäft geprüft und sich schließlich zum Verkauf von Disapo an MYA Health entschieden. Dies wurde im Dezember 2023 bekannt und im Juli 2024 vollzogen.
MYA Health plante, Disapo mit einem eigenen digitalen Gesundheitsangebot zu verknüpfen und so eine stärker integrierte Versorgungskette von der Rezeptbeschaffung bis zur Arzneimittellieferung aufzubauen. Die Pläne konnten die wirtschaftliche Lage des Unternehmens jedoch nicht nachhaltig stabilisieren.