| Cornelia Dölger |
| 30.09.2026 09:00 Uhr |
Bei der Frage, wo sie Rx online einkaufen, enKundinnen und Kunden laut einer Umfrage zwischen bekannten Anbietern und Neueinsteigern. / © Imago/Zoonar
In der Wahrnehmung sei der Markt von einigen wenigen etablierten Anbietern wie Shop Apotheke oder Doc Morris dominiert, berichtet die Unternehmensberatung Sempora. Grundlage ist die aktuelle Konsumentenstudie »Versandapotheken 2026«. Die Platzhirsche Redcare beziehungsweise Shop Apotheke sowie Doc Morris sind demnach mit Abstand die bekanntesten Anbieter – und sie profitieren von diesem Bekanntheitsvorsprung in mehrfacher Hinsicht.
Denn dieser löst den sogenannten Halo-Effekt aus, also die Annahme der Befragten, dass die bekannten Anbieter auch bei anderen Parametern Spitzenplätze belegen, obwohl diese gar nicht überprüft wurden. So bescheinigen die Befragten den Versendern etwa bei Preis, Vertrauen und pharmazeutischer Kompetenz Spitzenplätze.
Die Erfahrungen echter Kunden zeigten jedoch, dass die Konkurrenz in der Praxis ähnlich gut abschnitt und die Marktführer keinen klaren Leistungsvorsprung hatten. »Die Online-Apotheken differenzieren sich aus Sicht ihrer Käufer kaum über die Leistung«, erläutert Max Erkrath, Principal bei Sempora Consulting. Präsenz und Reichweite seien entscheidend, was kleineren Anbietern zusätzlichen Konsolidierungsdruck bereite.
Etablierte Player, aber noch neu im Apothekenmarkt, seien Drogisten – dm hat mit der Versandapotheke dm-med bereits Ende vergangenen Jahres seinen OTC-Versand gestartet, Rossmann will demnächst nachziehen. Beiden Angeboten attestiert die Befragung aus dem Stand eine hohe Akzeptanz. Bei Bekanntheit und Bestellbereitschaft erreichen demnach beide das Niveau mehrerer etablierter Online-Apotheken. Auch die Erwartungen an attraktive Preise und eine einfache Nutzung seien hoch. Auch als Anbieter von Medikamenten würden dm-med und die angekündigte Rossmann-Apotheke mehrheitlich als glaubwürdig eingeschätzt.
Bei der pharmazeutischen Kompetenz kommen die Drogisten allerdings gegenüber der etablierten Versandkonkurrenz auf deutlich geringere Zustimmungswerte; sie sei aber mit 47 beziehungsweise 50 Prozent »bemerkenswert hoch«, heißt es von der Unternehmensberatung. Eine klare Trennlinie ziehen die Befragten zudem bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln. Rund die Hälfte kann sich demnach vorstellen, OTC, Nahrungsergänzungsmittel oder Dermokosmetik bei dm-med oder der Rossmann-Apotheke zu kaufen. Bei Rx-Arzneimitteln sind es hingegen nur rund 20 Prozent – gegenüber 73 Prozent bei etablierten Onlineapotheken.
dm ist davon nicht berührt, denn die Karlsruher verschicken bislang nur OTC über das Tochterunternehmen dm-med; der Rx-Versand aus Tschechien nach Deutschland ist nicht erlaubt. dm ließ die PZ unlängst aber wissen, dass man sich alle Möglichkeiten offenhalte und gegebenenfalls neue Strategien prüfe. Rossmann hingegen plant von vornherein umfassender: Der Drogist aus dem niedersächsischen Burgwedel steigt zum Jahresende direkt ins Rx-Geschäft ein, baut dafür eine Apotheke im niederländischen Emmen auf.
Ob dm-med eine eigenständige Versandapotheke oder letztlich eine digitale »Apothekenecke« im Drogeriemarkt darstellt, wird derzeit am Landgericht Karlsruhe verhandelt. Es gehe dabei um ein ganzes Geschäftsmodell, wie der Vorsitzende Richter sagte. Aus Sicht der klagenden Wettbewerbszentrale ist die Verknüpfung zwischen dm und dm-med zu eng. Das Gericht muss klären, ob Drogerie- und Apothekensortiment in einem gemeinsamen Online-Einkauf verknüpft werden dürfen.
Laut der Umfrage wünschen sich allerdings 50 Prozent der Onlinekundinnen und -kunden einen gemeinsamen Warenkorb, 47 Prozent eine gebündelte Lieferung. Im Mittelpunkt stehe damit weniger ein vollständig neues Apothekenmodell als die Integration von Apothekenprodukten in den Drogerieeinkauf, heißt es von der Unternehmensberatung. dm und Rossmann würden nicht als Fremdkörper im Apothekenmarkt wahrgenommen.
Dass Onlineapotheken über Marktplätze wie Amazon Medikamente anbieten, akzeptierten die Kundinnen und Kunden größtenteils, wie die Befragung weiter ergab. Drei Viertel fanden dies demnach unproblematisch. Amazon sei für Medikamente und Gesundheitsprodukte längst »ein relevanter Bezugskanal«, so Erkrath. Der Anbieter werde aber nicht als Onlineapotheke, sondern als Plattform wahrgenommen. Viele schätzten die Plattformstärken wie den schnellen Versand und den einfachen Bestellprozess.
Bei pharmazeutischer Kompetenz und Vertrauen gebe es aber Vorbehalte, die auch ein günstiger Preis nicht auflösen könne. Bei gleichem Gesamtpreis würden 36 Prozent direkt bei der jeweiligen Onlineapotheke und nur 20 Prozent über Amazon bestellen.
Die Studie »Versandapotheken 2026« führte das Bad Homburger Unternehmen im September mit insgesamt 1000 Kundinnen und Kunden von Versandapotheken in Deutschland durch.