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Schwere Depressionen

US-Zulassungsempfehlung für Ketamin-Nasenspray

In den USA könnte Patienten mit therapieresistenten Depressionen bald eine neue Therapieoption zur Verfügung stehen: Nasenspray mit Esketamin, dem (S)-Enantiomer von Ketamin.
Daniela Hüttemann
15.02.2019
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Janssen Pharmaceutical gab diese Woche bekannt, dass ein Beratergremium der US-Zulassungsbehörde FDA sich für die Zulassung des Präparats Spravato™ ausgesprochen hat. Dabei handelt es sich um ein Nasenspray, das das Narkose- und Schmerzmittel Ketamin enantiomerenrein in seiner (S)-Form Esketamin enthält. Ketamin wurde erstmals in den 1960er-Jahren synthetisiert. Die chirale Substanz wird seit Langem als Narkose- und Schmerzmittel eingesetzt, aber auch als Rauschdroge missbraucht (»Special K«).

Esketamin gilt als Glutamat-Rezeptormodulator und soll helfen, gestörte synaptische Verbindungen bei Patienten mit schweren Depressionen wiederherzustellen. Laut Hersteller Janssen wäre es bei Zulassung der erste Arzneistoff mit neuem Wirkmechanismus in der Indikation Depression seit 30 Jahren. Die angestrebten Zulassungsgebiete sind die Behandlung therapieresistenter Depressionen sowie schwere Depressionen mit erhöhtem Suizidrisiko. Für ersteres hat das Beratergremium sich nun mit 14 Ja-, zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung ausgesprochen. Die FDA ist an diese Empfehlung nicht gebunden, folgt aber in der Regel den Voten seiner Beratergremien. Die Entscheidung soll im März fallen.

Janssen legte ein umfangreiches klinisches Studienprogramm vor, darunter fünf Phase-III-Studien mit Patienten mit therapieresistenten Depressionen. In drei Studien wurde die Einnahme über einen kurzen Zeitraum untersucht (vier Wochen), in einer Studie der anhaltende Effekt und in einer Studie eine Langzeitbehandlung über 52 Wochen. Die Daten zeigten ein signifikant schnelleres, besseres und dauerhaftes Ansprechen, wenn das Esketamin-Nasenspray gemeinsam mit einer neu initiierten oralen antidepressiven Therapie gegeben wurde, gegenüber der oralen Therapie plus Placebo-Nasenspray. Während herkömmliche Antidepressiva in der Regel erst nach zwei bis vier Wochen richtig wirken, soll Esketamin deutlich schneller die Symptome verbessern.

Die Verträglichkeit der Therapie sei insgesamt gut gewesen ohne wesentliche Unterschiede zwischen der Kurz- und Langzeittherapie. Am häufigsten traten erwartbare Nebenwirkungen wie dissoziative Symptome, Benommenheit und Schwindel, erhöhter Blutdruck und Sedierung auf, und zwar kurz nach der Applikation, was bei der nasalen Verabreichung nicht verwunderlich ist. Die Effekte waren vorübergehend und ließen noch am selben Tag nach.

Aufgrund des hohen Missbrauchspotenzial würde Spravato nur unter bestimmten Sicherheitsauflagen auf den Markt kommen. So soll es nur unter ärztlicher Aufsicht verabreicht werden. Auch bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA hat Mutterkonzern Johnson & Johnson bereits einen Zulassungsantrag gestellt. Der Konzern hofft auf einen neuen Blockbuster, ein Wundermittel gegen Depressionen wird es aber nicht sein. 

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