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Knochenmarkserkrankung

US-Zulassung für Fedratinib

In den USA haben Patienten mit bestimmten Formen der seltenen Knochenmarkserkrankung Myelofibrose eine neue Therapieoption: Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat dem JAK2-Hemmer Fedratinib die Zulassung erteilt. Auch der Europäischen Arzneimittelbehörde liegt ein Antrag vor.
Kerstin A. Gräfe
20.08.2019
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Die Myelofibrose ist eine seltene, lebensbedrohliche, chronische Erkrankung des Knochenmarks. Das blutbildende Knochenmark wird dabei zunehmend durch Bindegewebe ersetzt (Fibrose). Als Folge findet die Blutbildung immer mehr in der Leber und in der Milz statt, wodurch sich die beiden Organe vergrößern. In der späten Phase kann die Milz so groß werden, dass sie andere Organe wie den Magen und Darm verdrängt. Das kann negative Auswirkungen auf die Nahrungsaufnahme und die Verdauung haben. Zudem können Beschwerden auftreten wie Gewichtsverlust, Nachtschweiß, Juckreiz, erhöhte Infektanfälligkeit, Fieber, Appetitlosigkeit, Sehstörungen und Knochenschmerzen.

Man unterscheidet zwischen zwei Formen. Die primäre Myelofibrose entwickelt sich von selbst. Etwa die Hälfte aller Patienten mit primärer Myelofibrose weisen eine Mutation im Januskinase-2-(JAK2-)Gen auf. Dieses Gen steuert bestimmte Enzyme, die am Zellwachstum und an der Immunreaktion beteiligt sind. Die sekundäre Myelofibrose tritt infolge anderer Erkrankungen auf, insbesondere anderer Bluterkrankungen wie der chronischen myeloischen Leukämie, der Polycythaemia vera, der Thrombozythämie, des multiplen Myeloms und des Lymphoms. Bislang stand den Betroffenen als einzige Behandlungsoption der JAK-Inhibitor Ruxolitinib (Jakavi®)zur Verfügung, der 2011 zugelassen wurde. Fedratinib (Inrebic®) ist eine neue Option für diejenigen, die Ruxolitinib nicht vertragen oder resistent geworden sind.

Die Zulassung für intermediär-2 oder primäre oder sekundäre Hochrisiko-Myelofibrose basiert auf den Ergebnissen einer klinischen Studie mit 289 Probanden mit Myelofibrose, die randomisiert entweder täglich 400 mg oder 500 mg Fedratinib oder Placebo erhielten. Die 400-mg-Dosis, die letztlich auch zugelassen wurde, zeigte bei 35 der 96 Patienten einen signifikanten therapeutischen Effekt, gemessen an der Reduktion des Milzvolumens gegenüber dem Ausgangswert. Bei 36 Patienten reduzierten sich die myelofibrosebedingte Symptome um 50 Prozent oder mehr. Dazu zählten Nachtschweiß, Juckreiz, Bauchbeschwerden, früheres Sättigungsgefühl als normal, Schmerzen unter den Rippen auf der linken Seite und Knochen- oder Muskelschmerzen. Als häufige Nebenwirkungen traten Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit und Muskelkrämpfe auf.

Inrebic enthält einen Warnhinweis, der über das Risiko einer schweren und tödlichen Enzephalopathie, einschließlich der Wernicke-Enzephalopathie informiert. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung des Zentralnervensystems, die letztlich durch einen Thiaminmangel bedingt ist. Bei allen Patienten sollten vor und während der Behandlung die Thiaminspiegel kontrolliert werden. Bei Verdacht auf eine Enzephalopathie sollte Fedratinib sofort abgesetzt werden.

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