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Trockenheit bis Infektionen
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Urogenitale Symptome in den Wechseljahren

Zu den klimakterischen Beschwerden gehören auch urogenitale Symptome wie Inkontinenz, Scheidentrockenheit und wiederkehrende Harnwegsinfektionen. Eine Behandlung ist meist mit recht einfachen Mitteln möglich.
AutorKontaktJohanna Hauser
Datum 11.02.2026  12:00 Uhr
Urogenitale Symptome in den Wechseljahren

Das urogenitale Menopausensyndrom (Genitourinary Syndrome of Menopause, GSM) umfasst eine Reihe von Symptomen, die bei Frauen im Laufe der Wechseljahre auftreten können. Obwohl alle Frauen auf die eine oder andere Art betroffen sind, zählt es zu den weniger bekannten klimakterischen Beschwerden. Damit einhergehen können unter anderem Scheidentrockenheit, Brennen, Juckreiz, wiederkehrende Harnwegsinfekte und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.

Das GSM umfasst genitale und urologische Symptome sowie sexuelle Beeinträchtigungen durch Schmerzen und Unbehagen beim Geschlechtsverkehr aufgrund mangelnder natürlicher Befeuchtung (Lubrikation). Verursacht werden die Beschwerden durch den sinkenden Estrogenspiegel und eine damit einhergehende Rückbildung (Atrophie) der Schleimhäute im Genitalbereich.

Rezeptoren für Estrogen finden sich im weiblichen Genitaltrakt und in der unteren Harnröhre, da beide Gewebe den gleichen embryonalen Ursprung haben. Das Hormon erhöht die Durchblutung dieser Strukturen und damit die Lubrikation der Vaginalschleimhaut. Es stimuliert die Mucinsynthese, die Proliferation der Epithelzellen sowie den Kollagenumsatz.

Ein Mangel des Hormons reduziert die Kollagensynthese und Elastizität des Gewebes. Die Schleimhäute werden dünner und trockener, da Blutfluss und Sekretion abnehmen. Die Atrophie der Schleimhäute betrifft neben dem Genitaltrakt auch Harnröhre und Blase. Das hat in den verschiedenen Organen unterschiedliche Effekte.

Massive pH-Wert-Verschiebung

In der Vaginalschleimhaut nimmt aufgrund des Estrogenmangels die Glykogen-Produktion in den Epithelzellen ab. Eigentlich wird Glykogen dort zu Glucose hydrolysiert und anschließend von den Laktobazillen der Vaginalflora in Milchsäure verstoffwechselt. Fehlt Glykogen, nimmt die Anzahl an Laktobazillen ab und somit auch die Produktion von Milchsäure. Der vaginale pH-Wert steigt von ungefähr 3,8 bis 4,5 auf einen pH-Wert von 6 bis 8.

Durch den Rückgang der Laktobazillen verändert sich das vaginale Mikrobiom erheblich, wie ein Übersichtsartikel aus dem Jahr 2025 zeigt (»npj  Women’s Health«). Da es bei Frauen vor der Menopause  stark von Laktobazillen dominiert wird, hinterlässt deren Rückgang in den Wechseljahren eine Lücke, die von anderen Bakterien gefüllt wird. Die mikrobielle Vielfalt erhöht sich also. Verschiedene Gattungen wie Prevotella, Porphyromonas, Peptoniphilus, Anaerococcus, Atopobium, Gardnerella, Megasphaera und Bacillus können sich ansiedeln, von denen einige mit vaginalen Infektionen in Verbindung gebracht werden.

Das nicht mehr saure Milieu der Vaginalschleimhaut erleichtert Keimen, die nicht physiologisch in der Vagina vorkommend, das Eindringen und die Vermehrung. Scheideninfektionen können dadurch häufiger auftreten. Im ungünstigen Fall können die Bakterien auch über die Harnröhre bis in die Blase aufsteigen und dort Infektionen verursachen.

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