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Künstliche Intelligenz

Unterstützung für die Apotheke

In vielen Bereichen unseres Lebens ist künstliche Intelligenz (KI) nicht mehr wegzudenken. Geht es um autonomes Autofahren, werden viele skeptisch, beim Thema Apotheke erst recht. Im InspirationLab der Expopharm sprachen Experten bei einer Podiumsdiskussion darüber, welche Chancen sich durch eine KI ergeben können.
Caroline Wendt
28.09.2019
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»Meine Generation kennt noch Computer, deren gesamte Festplatte eine Speicherkapazität von 20 MB hatte«, erinnerte sich Professor Alois Knoll vom Institut für Robotik, Künstliche Intelligenz und Echtzeitsysteme in München. Dank des rasante Fortschritt der vergangenen 20 Jahre, seien nun mithilfe der KI bald Dinge wie das autonome Fahren möglich.

Eine KI könnte aber auch dem Apotheker nützlich sein, indem sie ihm Informationen zu dem Kunden liefere, der gerade die Offizin betreten habe. »So würde der Apotheker unterstützt und könnte den Kunden effektiver beraten«, stellte Gereon Hinz, Geschäftsführer von STTech, eine mögliche Zukunft vor. Zudem gebe es zu pharmazeutischen Produkten bereits eine Menge Daten, menschlich erzeugtes Wissen wie die Bestandteile eines Medikaments oder dessen Wirkmechanismus. All diese Informationen könnte eine KI nutzen.

»Der Apotheker ist zunehmend mit Daten und Informationen konfrontiert, die sich zudem immer schneller verändern«, ergänzte Lars Polap, Leiter Produktentwicklung bei der Firma Pharmatechnik. Hier könne die KI helfen, indem sie den Pharmazeuten bei seinen Entscheidungen unterstützt. Ein solches System habe aber auch wirtschaftliche Vorteile. »Wir konnten bereits zeigen, dass sich mithilfe einer KI eine deutlich bessere Sortimentsoptimierung erzielen ließ.« Erhalte ein Kunde das gewünschte Präparat direkt, ohne dass es bestellt werden müsse, steigere dies die Kundenzufriedenheit.

Aber ist eine künstliche Intelligenz in der Apotheke wirklich vorstellbar oder müssen wir Angst vor diesem Szenario haben? Hinz und Knoll sind sich einig: Es wird nur noch eine überschaubare Zeit dauern, bis die KI auch Einzug in die Offizin nimmt. Aber Angst, dass sie unser Leben so beeinflusst, dass wir irgendwann durch sie gesteuert werden, müsse niemand haben. »Im Moment sehen wir etwas, das wir als schmalbandige KI bezeichnen: Diese kann sehr schnell rechnen, planen oder navigeren«, erklärte Knoll genauer. Das seien zwar alles Dinge, die auch Menschen könnten, doch nicht in der gleichen Geschwindigkeit wie die Maschinen. Diese seien hingegen nicht dazu in der Lage, ein Frühstücksei zu öffnen – daher drohten vonseiten einer KI auch keine Gefahren. »Wenn wir die Werkzeuge, die wir haben, auch nutzen, sind wir an der Bugwelle des Fortschritts«, so Knoll.

Auch die Angst, dass durch künstliche Intelligenz Arbeitsplätze in den Apotheken wegfallen, sei unbegründet, ergänzte Polap. »Wir haben eher das Problem, zu wenig Personal zu haben.« Eine KI könne daher dabei helfen, dass die vorhandenen Mitarbeiter sich wieder auf ihre eigentlichen Aufgaben wie die Beratung der Kunden konzentrieren könnten.

In China und den USA wird im Bereich der künstlichen Intelligenz viel Geld investiert. Dennoch sei es nicht zu spät, auch in Deutschland die Dinge in die Hand zu nehmen und dabei die Erfahrungen anderer Länder zu nutzen. Der pharmazeutische Markt sei hierfür gut geeignet, da er hohe regulatorische Hürden habe. Zudem seien hier Präzision und Individualisierung gefragt, da hier der direkte Austausch mit den Kunden gefragt sei. »Das können bisher weder die Chinesen noch die Amerikaner, deshalb liegt hier unsere große Chance«, erklärte Knoll. Doch seien hier noch große Investitionen nötig, viel mehr als bisher in die Entwicklung gesteckt würde. Fast alles werde zukünftig von der Software abhängen: »Die Hardware ist soft und die Software wird zum harten Geschäftsgegenstand«, brachte der Professor es auf den Punkt. Deshalb sei es wichtig, die Spitzenstellung, die wir in vielen Bereichen noch haben, auch zu verteidigen.

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