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Kinder und Jugendliche

Unerwartete Todesfälle unter Antipsychotika

Werden Antipsychotika bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in höherer Dosierung off Label eingesetzt, erhöht sich ihr Risiko für unerwartete Todesfälle. US-Forscher, die über diesen Zusammenhang jetzt im Fachjournal »JAMA Psychiatry« berichten, mahnen daher in dieser Altersgruppe einen vorsichtigeren Einsatz von Neuroleptika  an.
Annette Mende
18.12.2018
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Außer in ihren Indikationsgebieten wie Schizophrenie oder Tourette-Syndrom werden Antipsychotika wegen ihres sedierenden Effekts häufig auch off Label gegeben. So ist etwa der Einsatz bei Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) bei Kindern und Jugendlichen nicht selten. Da die Wirkstoffe potenziell lebensbedrohliche Nebenwirkungen unter anderem auf das Herz-Kreislauf- und das metabolische System haben, ist damit jedoch ein Risiko verbunden, das die Autoren um Dr. Wayne A. Ray von der Vanderbilt University School of Medicine mit der vorliegenden Arbeit quantifizieren wollten.

Sie werteten retrospektiv die Daten von 58.500 Versicherten der Krankenversicherung Medicaid im Alter von 5 bis 24 Jahren aus. Die Teilnehmer waren körperlich gesund und hatten weder eine Schizophrenie noch ein Tourette-Syndrom, aber dennoch zwischen 1999 und 2014 eine Medikation mit einem Antipsychotikum erhalten. Als Vergleichsgruppe dienten knapp 190.000 Versicherte, die stattdessen eine ADHS-Medikation, Antidepressiva oder Stimmungsstabilisatoren erhalten hatten.

Die Antipsychotika-Nutzer teilten die Forscher weiter in eine Hochdosis-Gruppe mit mehr als 50 mg Chlorpromazin-Äquivalent pro Tag und eine Niedrigdosis-Gruppe mit Dosierungen darunter ein. In der Hochdosis-Gruppe kam es während des Beobachtungszeitraums zu signifikant mehr Todesfällen als in der Vergleichsgruppe (146,2 versus 54,5 pro 100.000 Personenjahre). Dieser Unterschied war vor allem auf die deutlich höhere Rate unerwarteter Todesfälle zurückzuführen (76,8 versus 17,9 pro 100.000 Personenjahre). Die Todesrate in der Niedrigdosis-Gruppe wich dagegen kaum von der in der Vergleichsgruppe ab.

Die Einnahme von Antipsychotika ist bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit einem signifikanten Anstieg der unerwarteten Todesfälle assoziiert, so das Fazit der Autoren. Ein zurückhaltender Einsatz der Wirkstoffe sei somit geboten, ebenso wie große Studien zur Sicherheit von Neuroleptika in dieser Altersgruppe.

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