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Chemie

Überholspur zum Nobelpreis

Um sich als Wissenschaftler einen Nobelpreis zu verdienen, braucht man bekanntlich eine sehr gute Idee − und einen langen Atem. Erst durchschnittlich 22,3 Jahre nachdem sie ihre preiswürdige Forschung gemacht haben, werden Laureaten ausgezeichnet. Am schnellsten geht es in der Chemie.
Annette Mende
15.04.2019
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Ambitionierte aufgepasst! Wer es besonders schnell zu einem Nobelpreis bringen will, sollte sich in die chemische Forschung stürzen. Denn Chemiker werden, wenn sie eine bahnbrechende Entdeckung gemacht haben, im Schnitt bereits 20 Jahre danach mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Forscher anderer Disziplinen müssen länger darauf warten.

Womöglich war es ja ein diffuses Gefühl des Benachteiligt-Seins, das Dr. Rasmus Bjørk, einen Physiker der Technischen Universität Dänemarks, dazu veranlasste, 178 Nobelpreisträger und ihren wissenschaftlichen Werdegang unter die Lupe zu nehmen. Falls es so war, gibt ihm das im Fachjournal »Scientometrics« publizierte Ergebnis Recht: Forscher seiner eigenen Disziplin, der Physik, machen ihre Nobelpreis-würdige Forschung demnach bereits mit 42, sind aber im Schnitt dann schon 23,5 Jahre älter, wenn sie dem schwedischen König die Hand schütteln dürfen. Dafür reichen in Physik durchschnittlich fünf wissenschaftliche Publikationen – wenn sie gut sind –, um ihrem Autor den Nobelpreis einzubringen.

Wirtschaftswissenschaftler müssen dagegen durchschnittlich 17 hochrangige Publikationen zustande bringen, um sich einen Nobelpreis zu verdienen, auf den sie dann auch noch 23 Jahre lang warten müssen. Chemiker, aber auch Mediziner liegen mit durchschnittlich zehn Publikationen für einen Nobelpreis nah beieinander. Mediziner müssen sich auch nur unbedeutend länger gedulden als Chemiker, bis sie von der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften auserwählt werden, nämlich 21 Jahre.

Ob diese Arbeit Bjørks eigene Chancen auf den Nobelpreis erhöhen wird, darf stark bezweifelt werden. Sie wird vermutlich eher zu einem Fun Fact in den Labors dieser Welt werden, wenn wieder einmal ein Versuch nicht geklappt hat.

DOI: 10.1007/s11192-019-03065-4

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