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Pilzvergiftungen
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Über hundert schwere Fälle pro Jahr

Beim Pilzesammeln ist Vorsicht geboten. Was wirkt wie ein Speisepilz, kann auch mal ein giftiger sein, der nur ähnlich aussieht. Wie viele Menschen sich vergiften, ist nicht ganz leicht zu erfassen.
AutorKontaktdpa
Datum 19.10.2026  13:30 Uhr

Beim Pilzesammeln im Wald ein giftiges Exemplar erwischen und kurz danach im Krankenhaus landen? Das kann vorkommen, doch die bekannten Zahlen solcher Fälle bewegen sich in Deutschland mit gut 83 Millionen Einwohnern auf eher niedrigem Niveau. Wie viele Pilzvergiftungen es gab, ist nicht vollständig zu erfassen, doch die Zahlen einiger Behörden liefern Anhaltspunkte.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung verweist auf die Gesundheitsberichterstattung des Bundes, der zufolge es in den vergangenen zehn Jahren pro Jahr etwa 280 bis 680 stationäre Behandlungen im Krankenhaus gab, weil sich Menschen an Pilzen vergiftet hatten. Zum Tod führt der Griff zum falschen Pilz deutlich seltener: Todesfälle mit dieser Diagnose gab es demnach pro Jahr zwischen null und sieben.

Bis zu 170 schwere Vergiftungsfälle pro Jahr

Weitere Hinweise geben die Giftinformationszentren, von denen es in Deutschland sieben gibt. Das Giftinformationszentrum Nord (GIZ Nord) in Göttingen zählte in den Jahren 2022 bis 2025 jeweils 10 bis 24 schwere Fälle von Pilzvergiftungen und bis zu zwei Todesfälle.

Dem Bundesinstitut für Risikobewertung zufolge geht beim GIZ Nord etwa ein Siebtel der insgesamt in den deutschen Giftinformationszentren eingehenden Anfragen ein. Rechnet man die Zahlen auf Gesamtdeutschland hoch, ergäben sich somit 70 bis knapp 170 schwere Fälle von Pilzvergiftungen pro Jahr, zu denen Anfragen in den Zentren beraten werden, und bis zu 14 Todesfälle. Das wären etwas höhere Todeszahlen, als die Gesundheitsberichterstattung des Bundes zeigt.

In guten Pilzjahren auch höheres Risiko

Das Bundesinstitut für Risikobewertung verweist darauf, dass die Zahlen jährlich stark schwanken und regionale Unterschiede eine Rolle spielen könnten. So hätten verschiedene giftige Pilze unterschiedliche Standortanforderungen. Außerdem erhöhe sich in sogenannten Pilzjahren, in denen gute Wetterbedingungen für das Wachstum herrschen, auch die Wahrscheinlichkeit von Pilzvergiftungen.

Zudem dürfte es eine Dunkelziffer geben. Denn nicht jeder Mensch mit einer Vergiftung landet im Krankenhaus oder wird in den entsprechenden Zentren beraten.

Um im Rahmen des Möglichen einen besseren bundesweiten Überblick zu bekommen, ist das Bundesinstitut für Risikobewertung dabei, ein zentrales Vergiftungsregister aufzubauen.

Experten warnen vor Verwechslungen

»In Deutschland gibt es sehr giftige Pilze, die essbaren Pilzen zum Verwechseln ähnlich sehen. Das kann auch für erfahrene Sammlerinnen und Sammler gefährlich werden«, sagt Dr. Yuri Bruinen de Bruin, Leiter des Nationalen Vergiftungsregisters am Bundesinstitut für Risikobewertung.

Beliebte Speisepilze seien etwa der Wiesenchampignon oder der Frauentäubling. Immer wieder verwechselten Sammler diese Pilze mit dem hochgiftigen Grünen Knollenblätterpilz. Die darin enthaltenen Giftstoffe könnten zu Leberversagen führen, sodass schon der Verzehr geringer Mengen tödlich sein könne.

Kinder und ältere Menschen sind nach Angaben der Behörde besonders gefährdet. Bei ihnen können schon kleine Mengen giftiger Pilze schwere gesundheitliche Schäden verursachen. Zu den Symptomen zählen Übelkeit, Bauchschmerzen und Erbrechen.

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