| Lukas Brockfeld |
| 30.03.2026 18:00 Uhr |
Christian Riethmüller modernisierte die Osiander-Buchhandlungen. / © PZ/Alois Mueller
Vor einigen Jahren schienen die Osiander-Buchhandlungen am Ende zu sein. »Wir haben 2017 ein SAP-Warenwirtschaftssystem eingeführt. Doch das hat nicht funktioniert. Das hat uns vier Millionen Euro gekostet. 2019 hatten wir einen Hackerangriff, der das Unternehmen für sechs Wochen lahmgelegt hat, und dann kam auch noch Corona. Wir hatten drei brutale Einschläge und standen kurz vor der Insolvenz«, so Christian Riethmüller.
Doch 2020 schloss Osiander eine Partnerschaft mit Thalia und nutzte fortan deren Webshop und IT-Infrastruktur. »Wenn man sich auf einer Plattform zusammentut, kann man sehr erfolgreich sein. Wir verbinden jetzt das stationäre Erlebnis mit der digitalen Welt. Anders geht es nicht«, so der Geschäftsführer.
Doch Osiander tat noch mehr. Riethmüller zeigte Fotos von der neuen Ecke für Jugendbücher. Das Unternehmen reagiert so auf den BookTok-Trend und spricht neue Zielgruppen an. »Die Jugendlichen kommen zu uns und wir füttern sie über Influencer, die wir dafür bezahlen. Im Jahr 2024 wurden 12 Millionen Bücher aufgrund von TikTok Empfehlungen von Jugendlichen gekauft. Im Jahr 2025 waren es schon 25 Millionen Bücher. Ein Influencer empfiehlt auf TikTok ein Buch, und am nächsten Tag kommen Hunderttausende in unsere Läden und kaufen es. Das ist Wahnsinn«, erzählte der Buchhändler. Das Durchschnittsalter der Osiander-Kunden sei von 48 auf 38 Jahre gesunken.
Social-Media sei inzwischen entscheidend für den Erfolg des Unternehmens. »Das ist die Zukunft, wir erreichen heute die jungen Menschen, und auch die, die aus diesem Alter herauswachsen, über diese Plattformen. Anders kriegen wir sie nicht mehr«, stellte Riethmüller klar. Deswegen würden die Osiander-Buchhändler ihre Empfehlungen inzwischen nicht mehr nur im Geschäft aufhängen, sondern auch über die sozialen Medien teilen.
Doch Osiander musste im vergangenen Jahrzehnt auch einschneidende Entscheidungen treffen. »Wir haben 20 Millionen Euro investiert. Wir haben die Zahl unserer Läden von 75 auf 63 reduziert. Einige Geschäfte sind an bestehenden Standorten in andere Gebäude umgezogen. Außerdem haben wir viele Läden komplett umgebaut«, erklärte Christian Riethmüller. Der Umbau sei auch deshalb notwendig gewesen, da sich durch die Partnerschaft mit Thalia das Sortiment verändert hätte.
Christian Riethmüller erzählte beim PZ-Management-Kongress von der Transformation seiner Buchhandlungen. / © PZ/Alois Mueller